ANGÈLE DURAND

(Angèle Caroline De Geest)
*23.10.1925 in Antwerpen (Belgien)

† 23.12.2001 in Augsburg.

belgische Sängerin und Schauspielerin

Sang als Jazz-Sängerin in der Band des Trompeters Rex Steward, unternahm dann eine Tournee mit Duke Ellington.

Bekam 1953 eine Rolle in dem Film "Käpt'n Bay-Bay", war danach als Schlagersängerin auch in Deutschland erfolgreich.

Titel: "So ist Paris"(1956); "Johannes" (1957); "Melodie d' amour" (1958); "Chanson d' amour" (1958); "Bonjour tristesse" (1958); "Hula Hoop" (1958); "Die Cowboys von der Silver Ranch" (1960).

Angèle Durand, die Interpretin des Liedes "Chanson d'amour", ist am 23.12.2001 in Augsburg verstorben. Wie ihre Agentur mitteilte, wollte die 76-jährige in der bayrischen Stadt im Musical "Der Vetter von Dingsda" auftreten. Sie habe aber wegen einer Erkrankung nicht an den Proben teilnehmen können.

 
A) Melodie d'amour / Che la la
B) Die Girls / Goodnight Monsieur
Electrola 7 EGW 8463 (1956)
A) Hula-Hop
B) O Saracino
Electrola E 21 045 (1958)
A) Musik aus dem Himmel
B) Merci Paris
Electrola E 21 099 (1959)
A) C'est l' amour
B) Casino de Paris
Electrola E 21 918 (1961)
A) Ja, ich bin die tolle Frau
B) Es fährt ein Schiff nach Java
Ariola 45 219 A (1961)

Schallplatten von Angèle Durand sind heutzutage schwer zu finden. 
Das Label "BEAR FAMILY RECORDS" sorgt dafür, daß die alten Aufnahmen nicht in Vergessenheit geraten
und lässt Sammlerherzen mit liebevoll gestalten CD-Booklets mit gut recherchierten Texten höher schlagen.
Eigentlich ist eine CD ja kein Ersatz für Plattensammler, aber die CDs von "BEAR FAMILY RECORDS" sind eine Ausnahme.
Die CD "Ja, ich bin die tolle Frau" BCD 15 858 enthält 29 Aufnahmen aus den Jahren 1954 - 1961.
Die oben abgebildeten Singles sind alle dabei.

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Hier der Text aus dem Booklet der CD:
 
 

Mit dunkler unverkennbarer Stimme und einem Hauch vom Flair des Montmartre singt Angele Durand 1956 So ist Paris. Sie singt es überzeugt und überzeugend. So überzeugend, dass das Lied bis auf Platz 2 der Hitparade klettert, 17 Wochen in den Top-Ten bleibt und insgesamt 24 Wochen in den Charts notiert wird.

Mademoiselle Angèle Caroline Liliane Josette Marie-José, wie sie mit sämtlichen Vornamen heisst, von denen jeder allein schon wie ein Künstlername klingt, ist zwar keine Pariserin, sondern eine waschechte Belgierin aus Antwerpen. Doch die Lichterstadt an der Seine zieht sich wie ein Schicksalsfaden durch ihr Leben. Durch Paris begann ihre internationale Karriere als Sängerin, und hier sollte sie ein Vierteljahrhundert später als Schauspielerin Triumpfe feiern...

In Paris war 1950 dem amerikanischen Bandleader Duke Ellington die Sängerin Kay Davis 'abhanden' gekommen. Kurz entschlossen engagiert der Duke die damals 24jährige Angèle für ein Gastspiel in Belgien. Das Konzert am 10. April 1950 in Brüssel wird ein großer Erfolg für alle, Angèle eingeschlossen. "Ich melde mich wieder" verspricht Ellington beim Abschied. Er hält Wort. Vier Wochen später kommt ein Telegramm ... aus Paris. Es enthält das verlockende Angebot, sechs Wochen lang zusammen mit der weltbekannten Band durch Europa zu touren.

Als Angèle selbstverständlich annimmt, ahnt sie noch nicht, dass sie bei dieser Tournèe zum ersten Mal einem Herrn begegnen wird, der später zu den Schlüsselfiguren der deutschen Schallplattenindustrie gehören sollte. Nach Konzerten in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Italien sowie Großbritannien stellt das Schicksal in Hamburg die Weichen: Bei der kleinen Feier nach dem Konzert in der Musikhalle lernt sie Nils Nobach in der "Er-und-Sie"-Bar kennen. Doch so richtig funkt es zwischen den beiden noch nicht...

Dass die hoch gewachsene, rassige Tochter eines Antwerpener Diamantenhändlers Sängerin werden will, und zwar eine international bekannte, steht für sie seit 1940 fest. In einem geliehenen Ballkleid ihrer Tante hatte sie im Rubens-Palast in ihrer Heimatstadt an einem Nachwuchswettbewerb teilgenommen. Das Ergebnis: Der 2. Platz für die Lieder South Of The Border und An Apple For The Teacher aus einem damals aktuellen Shirley-Temple-Film... und zwei Ohrteigen für die Dreistigkeit, das Kleid zu "leihen" und sich auf der Bühne zu produzieren. Letztere "Gage" kam von ihrer Tante, der das Abendkleid gehörte...

Obwohl Angèle im St.Agnes-Internat von Ordensfrauen der Ursulinen streng erzogen wird, macht sie eigentlich nie ein Hehl aus ihrer Freude am Leben. "Dat Engelken", wie sie von der Schwester Oberin gerufen wird, schreibt zusammen mit Freundin Yvonne feurige Liebesbriefe, die beide mit Hilfe einer Gummifletsche über die Internatsmauer schiessen. Genau dorthin, wo eine Jungenschule steht. Klar dass sich zwischen den Schulen und ihren "Zöglingen"mehr entwickelt, als eine "Luftpostbeziehung". Rik van Steenbergen, Schüler der Nachbarschule und später ein bekannter Radrennfahrer, wird eine Zeit lang sogar Vorturner im Mädcheninternat...

Nach dem Erfolg im Rubens-Palast geht Angele Durand, künstlerisch erblich vorbelastet, ihre Mutter ist Ballett-Tänzerin und die Großmutter war eine bekannte Wagner-Sängerin, konsequent ihren Weg. Sie bekommt erste Rundfunksendungen bei Radio Brüssel und singt für die deutschen Besatzer Schlager wie Man kann sein Herz nur einmal verschenken oder Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen. Später ist sie im amerikanischen Sender AFN zu hören. In US-Uniform steht sie für 40 Dollar pro Sendung jeden Mittwoch in der Allen Stevens-Show vor dem Mikrophon. "What's new?" heisst die 15-Minuten-Sendung, in der neue Künstler, englische Songs und französische Chansons vorgestellt werden.

In dieser Sendung, die aus dem Hotel Graf Zeppelin in Stuttgart ausgestrahlt wird, hat auch Caterina Valente zusammen mit den Brüdern Silvio und Pietro sowie Mutter Maria ihren ersten Radioauftritt. Nach dem Sendeprotokoll vom 15. Juni 1949 hat auch ein gewisser John Dane, der Jahre später im Duett mit Margot Eskens mit dem Lied Cindy oh Cindy einen Riesenerfolg in Deutschland hat, bei Angèle und Gastgeber Allen Stevens erstmals Rundfunkluft geschnuppert.

1950 knüpft Angèle neue Kontakte. Nachdem sie in Stuttgart fünf Monate lang zusammen mit US-Komiker Jerry Bergmann die Show "Amanda, das Riesenweib" gespielt hat, bei der sie, durch super hohe Absätze unterstützt, den Amerikaner um Haupteslänge überragte, bekommt sie Engagements in bekannten Varietés. Ausserdem macht sie Funkaufnahmen beim NWDR Hamburg und beim Hessischen Rundfunk. Im Februar 1951 steht sie in der Gondel-Bar in Hannover auf der Bühne, in Hamburg ist sie im Frühjahr 1951 zusammen mit dem Tango-Orchester Andrès Lanas engagiert, in der "Er-und-Sie-Bar"...

Hier trifft sie am 31. Mai Nils Nobach wieder. Er wird ihr Produzent und auch privat entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die mit dem Weg zum Standesamt am 18.August 1958 ihren Höhepunkt erreicht. Nils Nobach bestimmt fortan ihren künstlerischen Weg, sucht die Lieder aus und hat, wie bei So ist Paris; meist Erfolg damit. Für Angèle sind es oft Lieder, die ihre eigene Geschichte haben. So war Heinz (siehe BCD 15 696: Rendezvous mit Angèle Durand) ganz eindeutig 1953 auf Heinz Woezel gemünzt, damals Produktionschef bei Philips. Der wehmütige Song Die wilden Schwäne zieh'n nach Norden (siehe BCD 15 696: Rendezvous mit Angèle Durand), von Nils Nobach wegen seiner Vorliebe für Skandinavien ausgesucht, entwickelt sich erst vom Flop zum Hop, als Nobach durchsetzt, dass das Lied die offizielle Abschiedshymne der Fährschiffe in Großenbrode wird...

Beide nehmen, auch wenn der Name Nils Nobach nicht als Interpret auf dem Plattenetikett steht, sogar gemeinsam ein Lied auf: Bei Musik aus dem Himmel ist zu Beginn Nils' sonore Stimme mit den Worten zu hören: "Das ist die ewige Geschichte vom Sänger, dem Mädchen und der Musik aus dem Himmel...".

Der deutsche Musikfilm geht selbstverständlich nicht an ihr vorbei, in insgesamt 15 Streifen ist die rassige Sängerin mit der aufregenden Figur und der viel versprechenden Stimme zu sehen oder zu hören.

Im weltbekannten Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen gehört sie 1957 neben dem französischen Charmeur Maurice Chevalier zu den Stars des Sommerprogramms. Tournèen durch Deutschland und ganz Europa, mit den Stars der leichten Muse, mit Peter Kreuder, Rene Carol, Rudi Schuricke, Liselotte Malkowsky, Erwin Lehn u.v.a. sind eine Selbstverständlichkeit. Nils Nobach ist immer dabei, wenn seine Zeit es erlaubt.

Im Oktober 1961 ist allerdings das gemeinsame Glück vorbei. Angèle und Nils stehen vor dem Scheidungsrichter. Privat gehen beide künftig getrennte Wege. Beruflich sieht es anders aus. Nach der Scheidung und einem gemeinsamen Essen in einem italienischen Restaurant mit dem gemeinsamen Anwalt geht Angèle schnurstracks ins Plattenstudio. Warum bist Du so schlecht zu mir, obwohl ich dich liebe singt sie inbrünstig. Ihre Freunde wissen, warum...

Im selben Jahr noch wechselt sie die Plattenfirma. Bei Ariola kann sie mit Ja, ich bin die tolle Frauerneut einen Hit landen. Dieser Titel, ursprünglich für Zarah Leander geschrieben, von dieser aber abgelehnt, wird für Angèle zwar eine neue Erkennungsmelodie, ist aber gleichzeitig ihre letzte Platzierung in den Hitlisten. Lou van Burg, dem sie auf einer gemeinsamen Tournee näher kommt, wird der neue Mann in ihrem Leben. Für ihn gibt sie ihre Karriere auf und wird seine Managerin. Doch auch diese Beziehung zerbröckelt.

Aber Angèle gibt nicht auf. Sie besingt wieder Platten, tritt bei Galas auf. Bei einer gemeinsamen Tournee mit Zarah Leander 1963 schenkt ihr die rothaarige Schwedin etwas, worum viele sie beneiden: Eine kleine, aus Holz geschnitzte Lappländerin wird ihr Talisman. Er bringt ihr Glück: 1975 bekommt Angèle bei einem Smalltalk während einer Vernissage in Hamburg ein Angebot ... als Schauspielerin. Noch im selben Jahr steht sie beim Schleswig-Holsteinischen Landestheater in der Uraufführung des Peter-Kreuder-Musicals "Wedding Mary" auf der Bühne.

Die Schauspielbühne, des Musicaltheater und das Kabarett lassen sie nicht mehr los. In Gelsenkirchen sieht man sie u.a. in Peter Kreuders "Madame Scandaleuse", in Georg Kreislers "Das Glas Wasser" und in ihrer Lieblingsrolle, der Golde in "Anatevka". 1984, ebenfalls in Gelsenkirchen, setzt sie der unvergessenen Claire Waldoft ein musikalisches Denkmal mit einem vielbeachteten Bühnenprogramm. (siehe auch BCD 16006)

In Paris feiert sie als Mrs. Peachum in der "Dreigroschenoper" Erfolge. Sie präsentiert das Brecht/Weill Stück auf eigenwillige Art: Die Texte spricht sie französisch, die Songs singst sie deutsch. Riesenerfolg hat sie auch als Mutter Oberin in dem Musical "Non(n)sens". Die Fortsetzung, "Non(n)sens II", sorgt 1994 in Essen monatelang für ein ausverkauftes Haus.

Doch die Schallplatte lässt sie nicht los. Zu ihrem 50jährigen Bühnenjubiläum 1990 überrascht sie ihre Freunde mit einer neuen Single: Wege, die durch's Leben führen zeichnet sie nach, um auf der Rückseite zu versichern Denn ich lebe noch...

Der Westdeutsche Rundfunk verpflichtet sie wiederholt, um die Rheinischen Musiktage in Aachen zu moderieren. Und am Rosenmontag 1995 steht sie zum ersten Mal bei einer Karnevalssitzung auf der Bühne: Im Düsseldorfer Hotel Nikko begeistert sie im weiß-blauen Abendkleid das närrische Publikum mit ihren großen Erfolgen. Bei der Zugabe Wunderbar, wunderbar stehen die Zuhörer auf den Tischen ... und schunkeln im Takt ihrer Musik.

Seit zehn Jahren lebt Angèle Durand in Düsseldorf. An Aufhören denkt sie noch lange nicht, obwohl sie am 23. Oktober 1995 ihren 70. Geburtstag feiert. Aber wie es sich für eine echte Künstlerin gehört, selbstverständlich auf einer Bühne. Die Proben dafür haben schon begonnen...
 


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