BILL RAMSEY

(William McCreery Ramsey).
* 17.4.1931 in Cincinnata/Ohio (USA).

Nach Collegeabschluß 1949-1951 Studium der Soziologie an der Yale University New Haven. 1951-1955 Militärdienst, seit 1952 in Deutschland.

Produktionsleiter des AFN in Frankfurt. Fortsetzung des Studiums in Frankfurt und New Haven. 1957 Studium der Volkswirtschaft in Frankfurt. Diskjockey bei Radio Luxemburg und dem Saarländischen Rundfunk.

Erfolgreiche Auftritte als Blues- und Jazzsänger. Sieger mehrerer Jazz-Polls als "bester Sänger". Synchronarbeit für Nat King Cole in "Cat Ballou". Filmschauspieler (bis 1970 26 Filmrollen), zahlreiche TV-Auftritte als Schlagersänger. Tourneen in Europa, USA und Nordafrika. Bekannte Schlager: "Zuckerpuppe", "Pigalle", "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett".
 
 


Bill mit Peter Alexander

Er kam am 17.4.1931 in Cincinatti, Ohio, USA, zur Welt; seine Eltern nannten ihn William, und zunächst deutete nichts auf eine musikalische Karriere hin. Allerdings trat Bill schon mal auf Schülerparties als Jazzsänger hervor. Nach Stimmbruch und Militärzeit wurde dieser Wesenszug immer stärker, und es war im Jazzkeller in Frankfurt, wo nicht nur das "Caledonia" des rauhhalsigen Schlagerbaritons zum "Wunschkonzert" heranreifte, sondern wo ihn auch ein Boss des US-Soldatensenders AFN hörte und ihn zum Sender versetzen ließ. Jetzt konnte Bill die Materie des Showgeschäfts von innen her studieren und seine Fähigkeiten dabei wie auf Tourneen vervollkommnen. Dann ging auch diese Zeit zu Ende; er flog zurück nach Amerika und beendete sein Studium. Bald darauf erschien er wieder in Deutschland und machte mit seinem "Wumba-Tumba -Schokoladeneisverkäufer" und später mit "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" nun endlich ein Millionenpublikum von sich reden. Da waren Hits wie "Pigalle", und "Souvenirs", da waren Rollen in insgesamt 27 Filmen, dazu Tourneen und TV-Shows. Bill Ramsey ist mit der Schauspielerin Erica Naef verheiratet und lebt heute in Zürich.
 
 


A) Wumba-Tumba Schokoladeneisverkäufer
(Purple People Eater)
B) Casa Bambu
(House Of Bamboo)
Polydor 23 883 (1959)

A) Souvenirs
B) Mach keinen Heck-Meck
Polydor 24 037 (1959)

A) Pigalle (Die große Mausefalle)
(a.d.Film "Die Abenteuer des Grafen Bobby")
B) Café Oriental
Polydor 24 428 (1961)

A) Zuckerpuppe
(aus der Bauchtanz-Truppe)
B) Das Mädchen mit dem aufregenden Gang (Banned In Boston) 
(a.d. Film "Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehn")
Polydor 24 553 (1961)

A) Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett
B) Flotter Dampfer (a.d. Film "Zwischen Shanghai und St.Pauli")
Columbia C 22 197 (1962)

A) Yellow Submarine 
(Deutsche Originalaufnahme)
B) Such dir was Liebes
Polydor 52 725 (1966)

A) Piccadilly Circus
B) Die Welt die ist kaputt
Polydor 53 066 (1968)

Schlagerstars in Deutschland - das waren bis in die späten Fünfziger fast ausschließlich Interpreten mit deutschem (bzw. österreichischem) Paß. Gerhard Wendland, Peter Alexander, Margot Eskens, Freddy, Peter Kraus, Conny Froboess und wie sie alle hießen - sie stammten aus Berlin, aus Düren oder aus Wien. Lediglich die multinationale Caterina Valente war da eine Ausnahme. Beim Übergang zu den Sechzigern jedoch gab es mit einem Male einen neuen Trend: Plötzlich waren Stars mit englischem, amerikanischem, französischem, italienischem oder sonst einem Akzent angesagt. Die Zeit der musikalischen Gastarbeiter war gekommen. Für die internationalen Stars bot sich die stetig lukrativer werdende Möglichkeit, nebenbei ein paar harte D-Mark zu verdienen. Und die Deutschen sonnten sich angesichts der Verbeugung der ehemaligen Siegermächte vor ihrer Kaufkraft im "Wir sind wieder wer"- Gefühl.

Bill Ramsey war einer der ersten musikalischen Gastarbeiter in der Bundesrepublik. Der studierte Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler war als GI nach Deutschland gekommen. Er arbeitete zunächst beim amerikanischen Soldatensender AFN, später bei Radio Luxemburg und beim Saarländischen Rundfunk als Disc-Jockey. Gleichzeitig machte er sich einen guten Namen als Blues- und Jazz - Vokalist. 1959 versuchte er sich erstmals als Schlagersänger und hatte auch prompt mit seiner zweiten Platte einen Hit: "Der Wumba Tumba Schokoladeneisverkäufer" (Original: "Purple people eater" von Sheb Wooley), ein äußerst origineller Song über einen Außerirdischen ("Ja, der Kerl, der kam aus der Luft zu mir und er hatte nur ein Auge und ein Horn dafür...") stieß bis Platz 4 der deutschen Verkaufshitparade vor und machte Bill über Nacht bekannt.

Seine zweite Platte wurde ein noch größerer Erfolg: Das fetzige, im Rock'n-Roll-Sound arrangierte "Souvenirs" schnellte auf Platz l der Charts und zählt noch heute zu den klassischen Evergreens der Nachkriegsära - kein Wunder, denn bei diesem Titel stimmte einfach alles: eine schmissige Melodie, eine unverwechselbare und außerordentlich originelle Interpretation und ein griffiger Text, der Zeile für Zeile zum Schmunzeln Anlaß gab: "Von der Gitarre eine Saite, / die Elvis schlug / und den Verschluß der Bluse, die die Lollo trug" - große Klasse! Von da an ging es Schlag auf Schlag: Mit "Pigalle" ("Pigalle, Pigalle, so heißt die große Mausefalle mitten in Paris") rangierte er 1961 erneut auf Platz 1: Ein US-Amerikaner, der den Deutschen vom Nachtleben der französischen Metropole berichtet, das gefiel dem einheimischen Publikum - was waren wir doch damals weltmännisch. Höhepunkt unter Bills Hits ist für mich allerdings die Platte, die er nach "Pigalle" veröffentlichte: "Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe" - ein klassischer Zeitgeist-Hit der Superklasse, der in den Charts zwar nie über Rang 5 hinauskam, sich allerdings als ein absoluter Longseller entpuppte und neben "Souvenirs" die meist verkaufte Ramsey- Platte sein dürfte.

Um den Text in seiner ganzen Originalität zu erfassen, bedarf es eines kurzen Blickes auf das damalige Zeitgeschehen: Seitdem Soraya, der deutschen Regenbogenpresse liebstes Kind, den Schah von Persien geehelicht hatte, war das öffentliche Interesse am vorderen Orient so stark wie nie zuvor. Wohlgemerkt: Es war 1961 und es sollten noch sechs lange Jahre ins Land gehen, bis Rudi Dutschke, APO und SDS den Schah als Despoten und Folterknecht entlarvten. Bis dahin blieb das Bild vom gütigen Kaiser mit all seinem herrlichen Prunk unangetastet und Soraya war für ungezählte Bundesbürgerinnen der fleischgewordene Jungmädchen-Traum, der vom Märchenprinzen an seinen Hof gerufen wurde. Immer wieder gab es Berichte von verzweifelten Eltern, die durch die arabischen Länder irrten und dort versuchten, ihre Töchter aus dem Harem von Scheich XY zu befreien. Solch eine Geschichte griff Bill Ramsey in seinem Song auf: "Kennt Ihr die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe, von der ganz Marokko spricht? / Die kleine süße Biene mit der Tüllgardine vor dem Baby-Doll-Gesicht? / Suleika, Suleika, heißt die kleine Maus.... / und genau so sieht sie aus. / Da staunt der vordere Orient, / da staunt der hintere Orient, / da staunt ein jeder, der sie kennt". Aber denkste: Suleika entpuppt sich am Ende des Liedes als ein leichtsinniger deutscher Backfisch: "Elfriede!, Elfriede! rief ich durch den Saal, / denn die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe kannte ich aus Wuppertal." Tja, wie das Leben eben manchmal so spielt....

1962 wechselte Bill von der Polydor zu Columbia und auch dort setzte er seinen Erfolgskurs fort: "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" war erneut ein überaus origineller Song mit einer zündenden Idee: In Deutschland war just zu dieser Zeit das Krimi-Fieber ausgebrochen. TV-Mehrteiler von Francis Durbridge wie "Das Halstuch" fegten regelmäßig sämtliche Straßen leer und versetzten eine ganze Nation vorübergehend in Angst und Schrecken. Parallel dazu erlebten Kriminalromane im Taschenbuchformat ungeahnte Rekordauflagen. Bill thematisierte dieses kollektive Nervenkitzeln auf seine Weise, nahm nebenbei die Langeweile des ehelichen Schlafzimmers auf die Schippe und erzählte die Geschichte vom geplagten Ehemann, dessen Angetraute sich Nacht für Nacht dem Krimi-Schmökern hingibt. "Ich möchte schlafen, doch die Mimi will lesen. / Ich möchte schlafen, doch die Mimi ist erst auf Seite 104, wo der Killer von Manhatten Zyankali-Suppe kocht / für den Richter, der ihn damals in Chicago eingelocht / Ich muß alles miterle-ben, denn das beste liest sie laut. / Ich liege zitternd neben ihr und krieg `ne Gänsehaut.." In Sachen Witz erwies sich Bill erneut als unschlagbar.

In der Folgezeit allerdings widerfuhr auch Ramsey dasselbe harte Los wie fast der gesamten Garde deutscher Schlagerstars: Mit dem Aufkommen des Beat erlitt auch er einen herben Karriereknick, von dem er sich in der Folgezeit nicht mehr erholte. 1963 bescherte ihm einen letzten Top Ten-Titel ("Maskenball bei Scotland Yard", Platz 8) und 1964 landete er mit der Eindeutschung von Elvis Presleys "Bossa Nova Baby" und dem Song "Ein Student aus Heidelberg" noch einmal zwei Achtungserfolge, von da an landete er nur noch unter "ferner liefen". Die Spitzenplätze der deutschen Hitparade waren den anderen, vor allem aus Großbritannien stammenden Interpreten wie den Beatles und den Stones vorbehalten. Bill nahm seinen "Abstieg" gelassen: Nach einigen wenigen Flops hängte er die Schlagersängerei an den Nagel und widmete sich in der Folgezeit seinem Hobby, dem Jazz. Nur einmal, in den Achtzigern, nahm er noch einmal eine CD mit den für ihn so typischen Spaßmacher-Songs auf. Beziehungsreicher Titel "Rückfall". Doch fand er damit - völlig unverdient - kaum Beachtung: Titel dieser Art waren längst zur Domäne anderer Interpreten geworden, allen voran der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, die mit ihren Hits "Ba Ba Banküberfall" oder "Heisse Nächte in Palermo" haargenau dort ansetzten, wo Bill in den Sechzigern aufhörte.

Seine Platten sind heute unter Sammlern sehr gesucht, die Preise bewegen sich fast für alle Scheiben über 20 DM, lediglich "Pigalle" und die "Zuckerpuppe" gibt es auch schon mal etwas günstiger. "Souvenirs" gibt es meist nur im Lochcover, die abgebildete Bild-Hülle ist sehr rar, wohl dem, der sie sein eigen nennen darf. Bei Bear Family (27727 Hambergen, Postfach 1154) erschienen zwei liebevoll ausgestattete CDs mitWiederveröffentlichungen von Bills gesammelten Aufnahmen in deutscher Sprache: Auf "Souvenirs" (BCD 15672) sind seine Polydor-Titel zu hören, "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" (BCD 15818) enthält seine Columbia-Songs. Neben seinen klassischen Hits finden sich auf diesen Silberlingen auch eine Reihe außerordentlich reizvoller unbekannt gebliebener Lieder. Prädikat: zweimal sehr empfehlenswert! In einem Interview stellte ein politisch korrekter Journalist Bill kürzlich die Frage, ob ihm als alten Jazzer seine alten Schlager denn nicht "ein bißchen peinlich" seien. Er erhielt die einzig vernünftige Antwort, die es auf diese Frage eigentlich geben kann: "Wieso denn peinlich? Ich bitte Sie, diese Sachen waren doch großartig!".
 
 
 

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