

(Antonio Schinzel).
* 15.1.1945 in Bruck
an der Mur (Österreich),
verbrachte Kindheit auf Sardinien, frühe Jugend in Frankfurt, Nürnberg und Garmisch-Partenkirchen. Veröffentlichte eine Beat-Gitarrenschule (Buch und LP).
Erste Hits: "Geh nicht vorbei" (Goldene Schallplatte), "Nie mehr allein" (1969), "Es fährt ein Zug nach nirgendwo", "Du gehörst zu mir" und "Das schönste Mädchen, das es gibt".
1970 zahlreiche Fernseh-Shows in Deutschland, Österreich, Schweiz. Vertreter der BRD auf Weltausstellung in Osaka und 1971 beim Song-Festival in Zoppot (Polen).
Schrieb 1971 die Romane "Gobbo", "Blutschrei", versuchte sich als Texter, Komponist, Verleger, Produzent und Filmschauspieler.
Wehrdienstverweigerer, der politische Parteien und Fanclubs ablehnt.
Produzent: Joachim
Heider.
1969 hatte er mit "Geh' nicht vorbei" seinen ersten Hit; seitdem ist Christian Anders aus dem deutschen Musikgeschehen nicht mehr wegzudenken. Zwar war dies nicht seine erste Platte; die vorhergehenden hatten jedoch nicht auf ihn aufmerksam werden lassen. Bei seinen Titeln macht er alles selbst: Komponieren, Texten, Arrangieren, Produzieren, Verlegen und natürlich Singen. Auch als Schriftsteller hat er sich versucht. Er hat viele Fans - aber auch viele Gegner; vielleicht, weil er in letzter Zeit seine Titel aus alten Hits mit eigenen, neuen Teilen zusammenbaut; vielleicht, weil er etwas großspurig auftritt (z.B. muss bei Diskothekenauftritten vor der Tür des Lokals ein Parkplatz für seinen Rolls Royce geschaffen werden); vielleicht weil ... ??? Fest steht, dass ihm 1974 eine Pressejury die "Silberne Distel" als "unbeliebtesten Schlagerstar" überreichte.
Geboren: 15.1.1945
in Bruck (Österreich) Erfolgreichste Titel: "Geh' nicht vorbei";
"6 Uhr früh in den Straßen";"Einsamkeit hat viele
Namen"
|
|
|
A) Geh'
nicht vorbei |
A) Nie
mehr allein |
A) Du
gehörst zu mir |
|
|
|
A) Ne
détourne pas ton regard |
A) Dich
will ich lieben |
A) Ich
lass' dich nicht gehen |
|
|
|
A) Es fährt ein Zug nach
nirgendwo |
A) 6
Uhr früh in den Straßen |
A) In den Augen der anderen
|
|
|
|
A) Das
Schiff der großen Illusionen |
A) Einsamkeit
hat viele Namen |
A) Ich
leb' nur für dich allein |
|
|
|
A) Wer
liebt hat keine Wahl |
A) Wenn
die Liebe Dich vergißt |
A) Der
letze Tanz |
|
|
|
A) Der
Brief |
A) Nur
mit Dir will ich leben |
A) Tu's
nicht, Jenny |
|
|
|
A) Denn
ich liebe dich so sehr |
A) Verliebt
in den Lehrer |
A) Lass
es uns tun |
|
|
|
A) Love,
das ist die Antwort |
A) Du
gehst |
A) Will
ich zuviel ? (Wenn ich Dich will) |

Manchmal gibt es Lieder, denen gegenüber ich so
etwas empfinde wie "Liebe auf den ersten Ton". So ein Lied ist "Geh
nicht vorbei" von Christian Anders. Es war nachts so zwischen 12 und 1.
Mein Zug hatte Verspätung, und so saß ich in einer verqualmten Bahnhofskneipe
in Mannheim, damit beschäftigt, die Zeit totzuschlagen. Aus der Musicbox
dudelten irgendwelche Songs, sie gingen mir zum einen Ohr hinein und zum anderen
wieder hinaus. Da plötzlich: Ein fast quälend in die Länge gezogenes
Gitarren-Intro, unterlegt von heftigen Trommelschlägen und einem bombastischen
Frauenchor. Ich war mit einem Mal wie elektrisiert. Der Chor verhallte und nach
Sekunden setzten Posaunen ein, wieder begleitet von den Drums. Und dann endlich:
Eine helle, klagende Männerstimme setzte an zu den Zeilen "Als ich dich fand, ging eine Sonne auf / und der Himmel
war so nah./ Und deine Augen versprachen mir so viel, / was ich noch nie, niemals
sah..." Es war wie eine Offenbarung. Gebannt lauschte ich Ton für
Ton, Wort für Wort: "Wir glaubten beide an die Liebe./ Warum brach
sie entzwei? / Sie entzwei???" Und dann
kam es: Der Refrain, unterlegt von einem mächtigen Chor voller Engelsstimmen,
einer enorm aufwendigen Orchestrierung und nach wie vor heftigen Trommelschlägen:
"Geh nicht vorbei, als wär'
nichts gescheh'n, / es ist zu spät, um zu lügen./ Komm und verzeih,
ich werd' mit dir geh'n, / wohin mein Weg auch führt". Bei dem Wörtchen "führt" schnappte
die ohnehin schon extrem hohe Stimmlage des Interpreten über in die Kopfstimme
- gigantisch! Am Höhepunkt der musikalischen Erregung dann auf einmal Stille
- feierliche zwei, drei Augenblicke lang. Und schließlich die Auflösung
der so kunstfertig erzeugten Spannung mittels sechs lapidar dahin gesungener
Worte : "und die Welt, sie wird schön."
Der Interpret dieses großartigen Liedes, so stellte es sich heraus, hieß Christian Anders. Nie zuvor hatte ich den Namen gehört. Überhaupt interessierte mich Schlagermusik zu jener Zeit - es war 1969 - nur mäßig. In meiner Kindheit, so mit 11 oder 12, da hatte ich Gus Backus und Mina geliebt. Später, etwa mit 14 oder 15, begeisterte ich mich für Manuela und für Drafi Deutscher. In der Folgezeit allerdings gab es kaum noch Schlager, die mein Interesse zu erwecken vermochten. Dieses "Geh nicht vorbei" war seit Jahren der erste deutsche Schlager, der mich so richtig in Wallungen versetzte. Gleich am nächsten Tag erstand ich im Plattenladen diesen so überaus stilvoll und leidenschaftlich zelebrierten Schmachtfetzen. 29 Jahre sind seither vergangen. Die Platte von Christian Anders besitze ich noch immer, und ich muss sagen, der schwere und festliche Glanz von "Geh nicht vorbei" fasziniert mich noch heute. Es ist, so finde ich nach wie vor, eine der schönsten Schnulzen, die in Deutschland je auf Platte gepresst wurden. Vieles von dem, was Christian Anders nach "Geh nicht vorbei" auf Platte veröffentlichte, war ebenfalls nicht übel. Doch mit keinem seiner sämtlichen weiteren Titel erreichte er noch einmal einen ähnlichen Standard. Die Folgesingle "Nie mehr allein" (höchste Platzierung: Platz 12) war eher Mittelmaß und ähnliches läßt sich von den darauf folgenden Songs "Du gehörst zu mir" (Platz 14), "Dich will ich lieben" (Platz 40) und "Ich laß dich nicht gehen" (Platz 19) sagen.
Dann allerdings kam noch einmal ein Knaller: "Es
fährt ein Zug nach nirgendwo" war alles andere als Dutzendware. Eine
packende Melodie, ein gar nicht mal so übler Text und Christians gewohnt
jammervolles Klagen - diese Mischung verfehlte ihre Wirkung nicht und so wurde
der Titel zum zweiten und bis heute letzten Nr.1-Hit des mittlerweile erblondeten
Schlagerstars mit der markanten Kastratenstimme. Zwischen 1972 und 1979 konnte
er sich zwar mit ganzen 14 weiteren Songs in den Charts platzieren, ein Top Ten
Erfolg war allerdings nicht mehr dabei. Mehr als einmal schmückte er sich
mit fremden Federn: Die Melodie seines Titels "Das Schiff der großen
Illusionen" klaute er 1975 gänzlich unverfroren von Peggy March's Welthit
"I will follow him" und "In den Augen der anderen" ähnelte
1973 Ton für Ton zum Verwechseln Paul Ankas "Lonely Boy". In
einer TV-Live-Sendung auf sein ungebrochenes Verhältnis geistigem Eigentum
gegenüber angesprochen, offenbarte er allerdings wenig Souveränität
und verließ beleidigt das Studio. Oft ging es in seinen Liedern hochdramatisch
zu, und mitunter drückte er ganz gewaltig auf die Tränendrüse:
"Du stehst auf der Brücke", so singt er in "Tu's nicht, Jenny",
einem der typischen Anders'schen Dramen, "auf
der großen Brücke, unter dir braust der Verkehr./ Doch du siehst
und hörst nichts, du glaubst, dass dein Leben ohne Sinn und Hoffnung
wär./ Du denkst an die Worte, denkst an seine Worte, die er damals dir
gesagt: / Es gibt eine andere in meinem Leben, Baby, ich lieb dich nicht mehr." Doch gottlob ist just in diesem Augenblick der
unerschrockene Herr Anders zur Stelle, um der lebensmüden Dame ins Gewissen
zu reden: "Tu's nicht, Jenny! Du
bist noch so jung.! Auch für dich sind die Tränen bald Erinnerung." Drei lange Strophen darf der Hörer mit der
sitzen gelassenen Jenny leiden und bangen Herzens der Dinge harren, die sich
da anbahnen. Und siehe da, wie das Leben so spielt: Im letzten Augenblick "geschieht"
das große Wunder: "Mit einem
Mal steht er vor dir./ Und er schämt sich nicht seiner Tränen: Das
mit der anderen ist vorbei. - Jenny, komm heim
" – Uff, das ging ja gerade noch mal gut. Nicht auszumalen, was geschehen
wäre, hätte Christian Anders nicht so beherzt und selbstlos das Schlimmste
verhindert. Anders verstand es meisterhaft, nichtssagende Platitüden mit
einem Pathos aufzutischen, das stets haarscharf an der Grenze zwischen Genialität
und Peinlichkeit wandelte.
Grandioser "Höhepunkt" seines musikalischen
Schaffens war 1973 eine "Pop-Oper" mit Namen "Der Untergang von
Taro Torsay! Aufstieg und Fall eines Pop-Stars". In diesem Epos ging es
wahrlich hoch her. Zwei Textbeispiele: Seite 1, Titel Nr. 4: "Edel sei' der Mensch, hilfreich und gut. / Und den
hol' der Teufel, der das nicht tut. / Für alle zehn Gebote steh' immer
ein / Sonst gibt's am Ende Violence."
Oder Seite 3, Titel Nr.4: "Es gibt
auf dieser Welt arm und reich, / doch einmal kommt der Tag, / da sind wir alle
gleich./ Der Tag, an dem diese Welt/ in Schutt und Asche zerfällt, / Maranatha,
der Herr wird kommen!" In den Siebzigern
blieb diesem Epos der große Durchbruch leider versagt, erst in den Neunzigern
kramte es die Berliner Kabarett-Truppe "Bar jeder Vernunft" noch einmal
als "Trashical" aus und riß mit pantomimischen Darbietungen
zum Christian-Anders-Vollplayback monatelang ein begeistertes Publikum zu Beifallsovationen
hin. Parallel dazu brachte sich der Ex-Star nackt an ein Geländer angekettet
in Erinnerung und predigt mittlerweile unter dem neu angenommenen Namen "Lanoo"
als Medium Gottes"Weisheiten", die denen seiner alten Hits zum Verwechseln
ähneln.
Christian Anders' Singlehits gehören heute
zum Standardangebot jeder Plattenbörse, pro Titel muß man etwa 10
bis 15 DM bezahlen. Teurer kommt lediglich seine auf dem "Hörzu"-Label
erschienene LP zu stehen, die unter 30 DM vermutlich nicht aufzutreiben sein
dürfte. Mitunter werden für die Scheibe, hinter der im allgemeinen
weniger die Christian Anders-Fans als vielmehr "Hörzu"-Plattensammler
her sind, auch schon einmal dreistellige Summen verlangt. Preisgünstiger
sind wie stets Wiederveröffentlichungen: Im Fachhandel sind unzählige
CDs mit Anders' alten Hits erhältlich. Allerdings sollten Sie auf der Hut
sein und darauf achten, aus welchem Jahr die jeweiligen Aufnahmen stammen. Denn
es gibt reihenweise "digitale Neuaufnahmen", und die sind ihr Geld
nicht wert. Ich persönlich habe mir die beiden Silberlinge "Singlehits
Vol. 1" (Laserlight 16013) und "Seine großen Erfolge" (Imperial
520-7907422) zugelegt und verfüge damit über eine komplette Sammlung
aller relevanten Anders-Titel. Und so tauche ich von Zeit zu Zeit immer wieder
mal in die schwermütige Welt seines Songs "Der letzte Tanz" ein
oder lasse mich in "Denn ich liebe dich so sehr" in das schwierige
Psycho-Geflecht einer Liaison á trois entführen. Am meisten aber
liebe ich nach wie vor das Christian Anders - Lied aller Christian Anders -
Lieder: "Geh nicht vorbei, als wär'
nichts geschehn' ! Es ist zu spät um zu lügen..."
Geboren am 15. Januar 1945 in Bruck an der Mur/Österreich. Wirklicher Name: Antonio Schinzel.
Er machte 1969 sein Plattendebüt mit "Geh nicht
vorbei". Die Platte wurde ein Millionenhit und damit die erste Goldene
Schallplatte für den Newcomer. Schon bald stellte sich heraus, dass
Anders mehr war als eine Eintagsfliege.
Hits folgten in rasend schnellem Tempo aufeinander: Nie mehr allein; Du gehörst zu mir; Dich will ich lieben; Ich lass dich nicht geh'n; Das schönste Mädchen, das es gibt; Es fährt ein Zug nach Nirgendwo; 6 Uhr früh in den Straßen; In den Augen der anderen; Das Schiff der großen Illusionen; Einsamkeit hat viele Namen; Ich leb' nur für dich allein; Wer liebt, hat keine Wahl; Der Brief; Verliebt in den Lehrer, und einige andere.
Er ist der Mann des traurigen, wehmütigen Liebeslieds, der Mann, der manchmal harte Schreie ausstößt, sich oft wiederholt, aber auf ein sehr treues Publikum bauen konnte. Eine eigenartige Persönlichkeit in der Schlagerwelt. Binnen kurzer Zeit erwies er sich als erstklassiger Geschäftsmann, gründete seine eigene Produktionsgesellschaft (Chranders Records) und einen eigenen Musikverlag. Er begann, Bücher zu schreiben (inzwischen vier Stück) und bekam Rollen in Spielfilmen. Seine Popularität verblasst seit ungefähr zwei Jahren. Seine Platten erreichen nicht mehr die gewohnten Verkaufsziffern, und seinen eigenen Betrieb hat er liquidiert. Von einer Änderung seines Repertoires ist aber nichts zu bemerken und es braucht niemanden zu verwundern, wenn er eines schönen Tages wieder an der Spitze der Hitparade zu finden ist.
In "Die Brut des Bösen", ein Film aus
dem Jahre 1979, für dessen Szenerie er verantwortlich zeichnete, übernahm
er neben der Produktion und der Regie auch die Hauptrolle. Wenige Schlagersänger
können so viele Aktivitäten in solch kurzer Zeit (10 Jahre) unter
ihrem Namen verzeichnen. Anders ist auch "anders", Fans interessieren
ihn nicht. Fanclubs hat er immer gemieden, und den größten Teil seiner
Zeit verbringt er in Spanien, wo er Inspirationen für seine Bücher
und Platten erhalten will. Seine einzige Schwierigkeit ist seine Mutter, die
einige Male den Namen und die Popularität ihres Sohnes missbrauchte
und viele seiner Fans betrog. 1980 nahm Anders seinen zweiten Film auf, "Love
Camp", der Mitte 1981 Premiere hat. Er ist wieder Hauptakteur, Produzent
und Komponist der Filmmusik. "Will ich zuviel" heißt seine aktuelle
Single.
L.P.'s - alle auf Elektrola: Christian Anders ); Ich lass' dich nicht geh'n (1971); Es fährt ein Zug nach Nirgendwo (1972); Einsamer Sonntag (Instrumental: Christian Anders spielt Christian Anders (1972); Seine großen Erfolge (1973); Der Untergang von Taro Torsay (Doppel LP 1973); Einsamkeit hat viele Namen (1974); Der letzte Tango (1975); Nur mit dir will ich leben (1976); 20 Super Hits (1976); ...denn ich liebe dich so sehr, Ich kann dich nicht vergessen (1978); Love, das ist die Antwort
Schlagerfestival: 1973.