
* 1.
April 1946 in Nagoya.
japanisches
Gesangsduo.
Im Sommer 1964 schaut die ganze Welt nach Japan, denn Tokio ist Austragungsort der Olympischen Spiele. Monate später - die sportlichen Wettkämpfe sind fast schon vergessen - können sich die Schlagerfans hierzulande an musikalischen "Souvenirs aus Tokio" erfreuen. Überreicht werden ihnen diese von den Peanuts, die mit ihrer ersten deutschsprachigen Single noch einmal Erinnerungen an das Land der aufgehenden Sonne wecken.
Die Zwillingsschwestern Hideyo & Tsukiko Ito zählen in Japan zu den beliebtesten und erfolgreichsten Show-Stars. Fast 40 Millionen Schallplatten haben sie dort innerhalb weniger Jahre verkauft. Eine eigene Fernsehshow flimmert Woche für Woche über den Bildschirm. Sie wirken in Filmen und Musicals mit und absolvieren jede Menge Live-Auftritte, nicht nur in Japan, sondern auch in den USA und Europa. Dabei sind sie gerade erst 19 Jahre alt...
Geboren
wurden sie am 1. April 1946 in Nagoya. Ihr Vater, ein Lebensmittelgroßhändler,
schickt sie auf die höhere Schule. Dort wird man auf das musikalische
Talent der Zwillinge aufmerksam und bereits mit 14 Jahren geben sie in
einem kleinen Show-Theater ihr Debüt als Klavierspielerinnen. Japans
Top- Managerin Misa Watanabe sieht die beiden und nimmt sie unter Vertrag.
Sie sorgt dafür, daß sie eine gründliche Ausbildung erhalten.
Gesangsunterricht und Tanztraining bestimmen von nun an den Tagesablauf
der beiden Mädchen, die sich mit unglaublichem Fleiß und einer
Riesenportion Energie das nötige Rüstzeug für den Weg ins
Scheinwerferlicht erarbeiten. Ihre Mühe wird belohnt, denn sie machen
eine rasante Karriere und erkämpfen sich bald einen Spitzenplatz unter
den japanischen Popstars.
Als
Caterina Valente 1963 eine Japan-Tournee unternimmt, lernt sie dort die
Peanuts kennen und ist von ihnen so begeistert, daß sie die beiden
später für einen Auftritt in ihrer Fernsehshow "Bonsoir Catrin"
nach Deutschland holt. Natürlich singen die beiden Japanerinnen bei
ihrem deutschen TV-Debüt in ihrer Landessprache. Erst als Michael
Pfleghar mit den beiden in Japan anläßlich der Olympiade "Die
große Show von Tokio" dreht, kommt Heinz Kiessling, der für
die musikalische Leitung dieser Sendung zuständig ist, auf die Idee,
mit den bezaubernden Zwillingen Aufnahmen in deutscher Sprache zu produzieren.
Für ihren Plattenstart bei uns läßt man sie ein Lied mit fernöstlichem Flair singen, das den bereits erwähnten Titel "Souvenirs aus Tokio" trägt. Auf dem dazugehörigen Singlecover präsentieren sich die Peanuts werbewirksam im Kimono, was der Sache einen weiteren Hauch von Exotik verleiht.
Die
beiden mandeläugigen Sängerinnen, die nur 1,52 m groß sind,
sehen zum Anbeißen aus. Man kann sie kaum auseinanderhalten. Nur
ein Muttermal, das eine der beiden unterhalb der Schläfe in Augenhöhe
hat, unterscheidet sie voneinander. Damit man sie auch einzeln ansprechen
kann, hat man ihnen für den internationalen Markt die Vornamen Emi
& Yumi gegeben. Auf der Bühne bewegen sie sich meistens völlig
synchron und ihre hellen Stimmen im Gleichklang sind von ganz besonderem
Reiz, der seine Wirkung auch auf das deutsche Schlagerpublikum nicht verfehlt.
Michael Pfleghar ist von ihnen so angetan, daß er sie nochmals vor
die Kamera holt und natürlich stellen sie in seiner Show "Das Lächeln
im Westen", die Anfang 1965 ausgestrahlt wird, auch ihren aktuellen Singletitel
vor, der bald darauf in der offiziellen Verkaufshitparade notiert wird.
Bei
den "Deutschen Schlagerfestspielen" im Juni 1965 bestreiten die Peanuts
neben Johannes Heesters und Freddy Quinn das Rahmenprogramm. Dabei können
sie den Fernsehzuschauern zeigen, was sie drauf haben: Sie singen und tanzen
und präsentieren Songs in Englisch und Japanisch. Natürlich nutzen
sie diese Gelegenheit, um ihre neue Single "Happy Yokohama" zu präsentieren,
die ebenfalls gute Plazierungen in den Hitlisten erreicht. Die Presse schreibt
anschließend: "Wie zu allen Festspielen bot das Rahmenprogramm Außerordentliches.
Den Großerfolg aber trugen die Peanuts davon, das zierliche Zwillingspaar
aus Japan. Wir möchten die Voraussage wagen, daß sie sich damit
einen bleibenden Platz im deutschen Schlager- und Showgeschäft erobert
haben". Noch im selben Jahr nehmen sie bei uns ihre erste LP auf, die neben
ihren Hits auch einige Titel in japanischer Sprache enthält. Auf dieser
LP befindet sich auch der Song "Ein weißes Pony", der später
als Single ausgekoppelt wird. Dazu gibt es eine kleine Geschichte: Da die
beiden Japanerinnen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, bittet
Heinz Kiessling den Schlagerdichter Hans Bradtke, einen Text zu schreiben,
in dem der Buchstabe "R" möglichst wenig auftaucht. Für Bradtke
kein Problem: Er schafft es, einen Schlagerreim zu verfassen, in dem nicht
ein einziges "R" vorkommt... Mit ihren weiteren Aufnahmen erzielen die
Peanuts nicht mehr so hohe Plattenumsätze wie zuvor. Das veranlaßt
Heinz Kiessling, der bis dahin fast alle ihre Lieder geschrieben hat, den
Komponisten Hans Blum zu beauftragen, einen maßgeschneiderten Hit
für die beiden Sängerinnen zu basteln. Mit "Bye Bye Yokohama"
klappt das auf Anhieb, denn damit schaffen die Peanuts im September 1967
wieder den Sprung in die Charts.
Mit "Zuckersüß wie Ananas" wird anschließend die letzte deutschsprachige Produktion der beiden veröffentlicht, denn die Plattenfirma erneuert den Vertrag nicht. So kommt es, daß sie bei uns von der Bildfläche verschwinden, während sie in ihrer fernöstlichen Heimat weiterhin große Erfolge feiern.
Die Peanuts auf Columbia-Schallplatten:
| C 22 843 | Happy Yokohama
Wo ist der Boy, den es zweimal gibt |
| C 22 844 | Souvenirs aus Tokio
Hey Käp'ten, fahr' nach Hawaii |
| C 22 963 | Heut' Abend
Nagasaki-Boy |
| C 23 005 | Ein weißes Pony
Schwarzer Peter |
| C 23 220 | Liebe kann man nicht beschreiben
Hallo, bitte melden |
| C 23 221 | Aha
Ein weißes Schiff |
| C 23 546 | Bye, Bye Yokohama
Fudschijama Moon |
| C 23 547 | Golden Town
Zuckersüß wie Ananas |
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| A)
Souvenirs aus Tokio
B) Hey Käp'ten, fahr' nach Hawaii Columbia C 22 844 (1965) |
A)
Bye, bye Yokohama
B) Fudschijama Moon Columbia C 23 546 (1967) |
A)
Golden Town
B) Zuckersüß wie Ananas Columbia C 23 547 (1967) |