GERD BÖTTCHER

* 18.07.1936 in Berlin
gest. 26.02.1985 in Dortmund.

deutscher Sänger und Schauspieler

Sang zunächst in Bars, wurde dann von Werner Müller in Berlin entdeckt. Arbeitete u.a. mit Detlef Engel zusammen.

Titel: "Ich komme wieder" (1960); "Jambalaya" (1960); "Adieu - Lebe wohl - Goodbye" (1961); "Ich such dich auf allen Wegen" (1961); "Weil du meine große Liebe bist" - mit Detlef Engel (1961); "Oh Billy, Billy Black" - mit Detlef Engel (1961); "Geld wie Heu" (1962); "Ein Dutzend and're Männer" (1962); "Für Gaby tu ich alles" (1962); "Du schaust mich an" (1962); "Meine Braut, die kann das besser" (1963)
 

Gerd Böttcher: der deutsche High School-Rocker. Seine Songs haben den wippenden Rhythmus des Rock 'n' Roll, seine Texte folgen den Grössen deutscher Gefühlsnormen. Der Sound zwischen Rummel und Stubensofa machte anfang der sechziger Jahre Gerd Böttcher, zum wichtigsten Vertreter des deutschen High School-Rock.

Gerd Böttcher kam erst spät zu seiner Karriere als Schlagersänger. Zunächst übte er den Beruf des Gärtners aus. Und dann kam der Sprung in den Erfolg und in das große Geld. Für Gerd Böttcher wurde es aber auch ein Sprung in einen Lebensstil, dem er nicht immer gewachsen war. Waren es am Anfang Hits wie "Für Gaby tu ich alles", "Geld wie Heu" und "Pretty Woman", die ihm hunderttausende einbrachten und von Abendvorstellung zu Abendvorstellung hetzten, so überforderte dies alles doch den Menschen in ihm. Steuerrückstände, eine Scheidung, und die Flucht in den Alkohol drohten schließlich, Gerd Böttcher zu zerstören. Es war die Hilfe eines alten Freundes, die sein Leben wieder in geordnete Bahn brachte. Bei diesem, in Recklinghausen, lebt er nun und pflegt Rosen, Rasen und Ziersträucher. Und vielleicht erleben wir bald sein Comeback.
 
 
A) Jambalaya
B) Weine nicht um mich
Decca D 19 065 (1960)
A) Ich komme wieder 
(O sole mio)
B) Du - heut nacht!
(Young Emotions)
Decca D 19 101 (1960)
A) Adieu - Lebewohl - Goodbye
(nach der Barcarole 
aus "Hoffmanns Erzälungen")
B) Deine roten Lippen
(Poetry In Motion)
Decca D 19 131 (1960)
mit Detlef Engel
A) Weil Du meine große Liebe bist
(Santa Lucia)
B) Heim, Heim möcht' ich ziehn
(Home On The Range)
Decca D 19 213 (1961)
A) Man geht so leicht am Glück vorbei
(The Writing On The Wall)
B) Tina - Lou
(Just A Clother Walk With Thee)
Decca D 19 229 (1961)
mit Detlef Engel
A) Oh Billy Billy Black
(Harry Lime Thema)
B) Über die Prärie
(Indian Love Call)
Decca D 19 240 (1961)
A) Geld wie Heu
(Johnny will)
B) Carolin, Carolin!
(Tower Of Strength)
Decca D 19 273 (1962)
A) Ein Dutzend and're Männer
B) So wie ein Indianer 
(Piccolo Indiano)
Decca D 19 350 (1962)
mit Detlef Engel
A) Ich kenn' die Straßen der weiten Welt
B) Denn mein Zuhause, das bist du
Decca D 19 356 (1962)
A) Du schaust mich an
(She's Not You)
B) Für Gaby tu ich alles
Decca D 19 388 (1962)
mit Detlef Engel
A) Sailor Boy
B) Zwei Caballeros
Decca D 19 412 (1963)
A) Meine Braut, die kann das besser
(Tamouré)
B) Susanna
(I'm Waiting)
Decca D 19 421 (1963)
A) Mach nicht Hochzeit ohne mich
B) Billy Mo: Auf der Hacienda fehlt eine Frau (Deutsche Schlager-Festspiele 1963 - beide Titel)
Decca D 19 440 (1963)
A) Bing-Bang-Bungalow
B) Blue Lady
Decca D 19 461 (1963)
A) Lady Lou
B) Tschau-Auf Wiedersehen (Toselli-Serenade)
Decca D 19 509 (1963)
A) Nur keine Beatle-Frisur
B) Weil du so himmelblaue Augen hast
Decca D 19 531 (1963)
mit Detlev Engel
A) Stern von Samoa
B) Eine Welt ohne Liebe
(A World Without Love)
Decca D 19 603 (1964)
A) Nur Annemarie kommt in Frage
B) Lorelei
Decca D 19 622 (1964)
A) Lorelei
B) Nur Annemarie kommt in Frage
Decca D 19 622 (1964)
A) Pretty Woman (dt.ges.)
B) Mädchen gibt's wie Sand am Meer
Decca D 19 639 (1964)
A) Eine gefiel mir am allerbesten
B) Ich finde nichts dabei
Decca D 19 724 (1965)
A) Schenk mir dein Vertrauen
B) Wer wird der Nächste sein
Polydor 52 611 (1966)
A) Romantische Stunden
B) Wo fängt die Liebe an
Hansa 19 738 AT (1967)
A) Roses For You
B) Schenk mir dein Herz als Souvenir
Hansa 14 012 AT (1967)
A) Die Bremer Stadtmusikanten
B) Ich danke dir
metronome M 25 135 (1969)
A) Grand Prix
B) Wer wird denn weinen
metronome M 25 163 (1969)
A) Mambola
B) Wer hat die Liebe erfunden
metronome M 25 233 (1970)
A) Eine Rose aus deinem Garten
B) Rock'n Roll Boogie
Columbia C 006 - 29 930 (1972)

Gerd Böttcher war in den frühen Sechziger Jahren der Sonnyboy des deutschen Schlagers. Seine Sangeskarriere nahm 1960 ihren Anfang. Bereits mit seiner ersten Platte "Jambalaya" gelang ihm ein Achtungserfolg (Platz 34 der Verkaufshitparade), mit der zweiten gelang ihm bereits der Durchbruch: "Ich komme wieder" war die Eindeutschung des Elvis-Hits "It's now or never", mit der dem King der Wechsel vom Rock'n' Roller zum Interpreten sanfter Pop-Songs gelungen war. Beide Aufnahmen erfreuten sich hierzulande großer Popularität und teilten sich Platz 2 der Charts. Mit "Adieu, Leb wohl, Good-bye", einer ausgesprochen aparten Variation der "Barcarole" aus Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach gelang ihm anschließend der nächste Top-Ten-Titel (Platz 8). Nach zwei weiteren, nicht ganz so erfolgreichen Aufnahmen: (Ich such dich auf allen Wegen", die deutsche Fassung des Elvis-Hits "Surrender", und "Man geht so leicht am Glück vorbei", die Adaption eines Titels von Tommy Steele) folgte 1962 dann schließlich der ganz große Coup: "Geld wie Heu".

Auch dieser Song, der sich bis Platz 2 der Charts hocharbeiten konnte, war ein eingedeutschter US-Hit, dieses Mal stand allerdings nicht Elvis, sondern Highschool-Spezialist Pat Boone Pate. Daß im Gegensatz zu dem in Deutschland völlig unbekannt gebliebenen Original Gerds deutsche Fassung so überaus populär wurde, das lag vermutlich vor allem am Text: "Mein Herz ist voller Liebe, denn Susi lieb ich sehr. / Mein Herz ist voll, doch leider sind die Taschen leer. / Ich habe Angst, die Susi nimmt sich einen anderen Boy, / Einen, der das eine hat, was ich nicht hab: Geld wie Heu" - diese so herrlich augenzwinkernd vorgetragenen Verse entsprangen haargenau dem Alltag jugendlicher Hörer, und es ist kein Wunder, daß er unter Teens und Twens so überaus gut ankam. "Geld wie Heu" war ein Hit, der ohne verlogene Phrasen daherkam, ein Lied, das auf unkomplizierte Weise von Alltagsnöten junger Leute erzählte und das man dem sympathischen Gerd Böttcher Wort für Wort abnahm. "Wenn ich reich wär', reich wie ein Scheich wär', / Silber, Gold und Edelsteine schenkte ich ihr. / Doch bis heute gab ich Susi / einen einzigen Kuß vor ihrer Tür, mehr hat sie nicht von mir..." Wer hätte all diesen Kummer nicht Zeile für Zeile nachempfinden können? Auf den anschließend erschienenen, eher langweiligen Nachzieher "Ein Dutzend anderer Männer" soll an dieser Stelle taktvollerweise nicht näher eingegangen werden.

Stattdessen wenden wir uns der darauffolgenden Platte zu, die den Höhepunkt in Gerd Böttchers Sangeslaufbahn besiegelte: Sein Produzent, der Orchesterchef Werner Müller, konnte sich nach dem Durchbruch mit "Geld wie Heu" vermutlich nicht so recht entscheiden, wie es mit seinem Zögling weitergehen sollte: Sollte er ihn weiterhin als eine Art Elvis -Verschnitt Cover-Versionen amerikanischer Hits singen lassen oder sollte er versuchen, für ihn Titel zu schaffen, die dem mit "Geld wie Heu" aufgebauten Image des armen, aber liebenswerten und mit einem ordentlichen Schuß Naivität ausgestatteten Sonnyboys entsprach? Müller entschied sich für das eine, ohne das andere zu lassen und präsentierte eine Single, die auf ihren beiden Seiten beide Optionen offenhielt.

Die A-Seite versorgte die Fans mit einem erneuten Titel der Marke "Presley light": "Du schaust mich an", im Original "She's not you" war ein etwas schwülstig geratener Song und versuchte redlich, Leidenschaft zu versprühen. Bei Elvis wirkte das authentisch, zu Gerd Böttcher hingegen paßte diese Rolle einfach nicht. Wesentlich glaubhafter wirkte er in der Rolle des verschmitzten Jungen, der auf der B-Seite der Single alles nur erdenkliche unternimmt, um seiner angehimmelten "Gaby" zu imponieren: "Ich helf' seit Wochen ihr täglich beim Kochen / Für Gaby tu' ich alles./ Ich trag' auch munter den Mülleimer runter / Für Gaby tu' ich alles...". Dieser Song, den ihm Werner Müller und Geld wie Heu"-Texter Hans Bradtke auf den Leib geschneidert hatten, wurde zu Gerds zweitem Volltreffer. (höchste Notierung: Platz 4). Mehr noch: Im Gegensatz zu "Geld wie Heu", das schon relativ bald wieder in der Versenkung verschwand, entpuppte sich "Gaby" zu einem klassischen Evergreen, der bis zum heutigen Tag noch nicht verklungen ist.

Parallel zu seinen Soloaufnahmen gelang es Gerd, gemeinsam mit seinem Sangeskollegen Detlef Engel aufgenommene Titel in den Charts zu plazieren. "Weil du meine große Liebe bist", eine aktualisierte Version der guten alten "Santa Lucia"' arbeitete sich bis Platz 6 hoch, Oh "Billy, Billy Black", eine moderne Variante der Titelmusik aus dem Film "Der dritte Mann", erreichte Platz 11. Ob solo oder im Duett - Gerd Böttcher war allerbestens im Geschäft.

Doch der Höhenflug währte nur kurz: Kaum, daß er 1962 mit seinem "Gaby"- Hit am Gipfel seiner Sangeskarriere angekommen war, begann auch schon der Abstieg: Nur einmal noch gelang ihm ein Top-Ten-Titel: "Meine Braut, die kann das besser", ein erneuter Wurf des Autorenteams Müller und Bradtke, katapultierte Gerd Böttcher noch einmal auf Platz 8, dann war es mit einem Mal vorbei. Mit dem Aufkommen der Beatles, Rolling Stones und all der anderen britischen Beat - Helden sah er plötzlich alt aus, und wie so viele deutschsprachige Interpreten verschwand auch er sehr schnell in der Versenkung. Müller und Bradtke gaben ihr bestes - aber egal, ob "Bing bang Bungalow" (1963) oder "Nur Annemarie" kommt in Frage" (1964) - mit keinem Titel konnten sie mehr an Gerds legendäre Erfolge anknüpfen. Zahlreiche, bis in die achtziger Jahre hinein gestartete Come- Back-Versuche bei Polydor ("Schenk mir dein Vertrauen", 1965), Hansa ("Romantische Stunden", 1968) und etlichen anderen Plattenfirmen waren ebenso erfolglos. Seine letzte Platte nahm er in den Siebzigern bei Ariola auf: "Tanz noch einmal Rock'n Roll mit mir".

Für die beiden großen Erfolge "Geld wie Heu" und "Für Gaby tu ich alles" werden auf Plattenbörsen zwischen 15 und 20 DM verlangt. Besonders begehrt sind außerdem seine erste Single "Jambalaya" und sein erster Hit "Ich komme wieder" - für sie werden im allgemeinen deutlich mehr als 20 DM verlangt. Alle anderen Scheiben kosten meist um die 10 DM. Teurer allerdings sind die Duette mit Detlef Engel: Für sie interessieren sich die Fans beider Interpreten und so etwas wirkt preistreibend. "Weil du meine große Liebe bist" und "Oh Billy Billy Black" sind unter 30 DM selten zu ergattern. Bei Bear Family erschienen zwei CDs mit Wiederveröffentlichungen von Gerd: Vor allem die (leider etwas lieblos gestaltete) CD "Für Gaby tu' ich alles" (BCD 15 402) lohnt die Investition der 30 DM, die die Veröffentlichungen dieser Plattenfirma durchschnittlich kosten. Hier finden sich neben "Geld wie Heu" und "Gaby" auch fast alle anderen interessanten Songs wie Adieu, leb' wohl, goodbye", "Ich komme wieder" und "Jambalaya". CD Nr. 2 hingegen, "Pretty Woman" (BCD 16 107) ist eher etwas für besonders hartnäckige Fans. "Weil du meine große Liebe bist" ist der einzige Erfolgstitel, den es hier zu hören gibt, ansonsten vereint der Silberling vor allem Gerds wenig erfolgreiche Spätwerke. Der Kauf lohnt sich eher wegen des Booklets, das zahlreiche Abbildungen von Originalhüllen enthält, mit einem recht informativen Überblick über Gerds künstlerisches Schaffen aufwartet und vor allem eine detaillierte und sehr sorgfältig erstellte Diskographie der Jahre 1960 bis 1967 bietet. Gerd Böttcher verstarb 1985. Doch vor allen dank seinem unvergeßlichen "Für Gaby tu' ich alles" ist ihm ein fester Platz im Schlager-Olymp wohl noch für lange Zeit sicher.
 


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