GUS BACKUS

Diese Seite ist Thommi Herrwerth gewidmet.

(Donald Edgar Backus).
* 12.9.1937 in New York,

studierte vor seiner Einberufung in die US-Air-Force einige Semester Medizin. Gründete während seiner Militärzeit eine Gesangsgruppe "The Del-Vikings"' die bei einer TV- Show den ersten Preis gewann.

Plattenvertrag und erste sensationelle Erfolge mit "Come go with me". Nach Beendigung der Militärzeit in Wiesbaden blieb er in Deutschland.

Bisher über 50 Platten und Mitwirkung in mehr als 10 Filmen. Moderator der TV-Sendung "Party-Geschichten". Weitere erfolgreiche Titel: "Sauerkrautpolka", "No Bier" und "Bohnen in die Ohr'n". Produzent: Gerhard Mendelson.
 

Er war schon im heimatlichen USA mit seiner Band "The Del Vikings" ein aufgehender Star, als das Militär ihn in den Griff bekam und den frischgebackenen GI 1957 in Deutschland stationierte.
Der quicklebendige Gus jedoch, mit dem Witz und der Beweglichkeit des New Yorkers aus Brooklyn wohlversehen, beschloss, dann eben hier weiterzumachen. Was er auch tat: Nach Leitung einer Soldatenband betrat er die "zivilen" Bühnen seiner neuen Wahlheimat Deutschland und alsbald erwiesen sich seine Songs als echte "Ohrwürmer" ("Da sprach der alte Häuptling der Indianer", "Der Mann im Mond", "Sauerkrautpolka" und "Bohnen in den Ohren").

Heute hat Gus Backus über so Platten gemacht, in vielen Filmen mitgespielt, Schlagertexte und Filmmusik geschrieben, TV-Sendungen geleitet, wie er überhaupt ein gern gesehener Gast auf dem Bildschirm ist.

Der Künstler lebt bei München und ist verheiratet (vier Kinder), und dass er außerdem das bayerische Bier liebt und kein Oktoberfest versäumt, macht ihn nur sympathischer.

 

 

 
A) My Chick Is Fine
B) You Can't Go It Alone
London DL 20 425 (1961)
A) Wooden Heart
(Muß i denn zum Städtele hinaus)
B) Da sprach der alte Häupling
Polydor 24 403 (1961)
A) Auf Wiedersehen
B) Tempo Brasiliano
Polydor 24 484 (1961)
A) Der Mann im Mond
(a.d. Constantin-Farbfilm 
"Im schwarzen Rössl")
B) Was ist los
(a. d. Astra-DFG-Film "Drei weiße Birken")
Polydor 24 564 (1961)
A) Sauerkraut-Polka
a.d. DFG-Farbfilm "Unsere tollen Tanten")
B) Alle Schotten sparen
Polydor 24 642 (1961)
A) No Bier, no Wein, no Schnaps
B) Die allerschönste Rose
Polydor 24 740 (1962)
A) Das Lied vom Angeln 
(Mit dir möchte ich am Sonntag angeln geh'n a.d.gleichn. Film)
B) Linda (Ein Haus in den Rockys)
a.d. Bavaria-Film "Drei Liebesbriefe aus Tirol"
Polydor 24 854 (1962)
A) Linda (Ein Haus in den Rockys)
a.d. Bavaria-Film "Drei Liebesbriefe aus Tirol"
B) Das Lied vom Angeln 
(Mit dir möchte ich am Sonntag angeln geh'n a.d.gleichn. Film)
Polydor 24 854 (1962)
A) Linda (Ein Haus in den Rockys)
B) Das Lied vom Angeln
C) Holzhackertwist
D) Vaya Con Dios 
Polydor 21 474 EPH (1962)
A) Das kleine Wunder vom großen Glück 
(a.d. Constantin-Film "Das haben die Mädchen gern")
B) Bißchen denken beim Schenken 
(Weißer Mann - schwarzer Mann)
Polydor 24 926 (1962)
A) Das haben die Mädchen gern
B) Hände weg von den Frau'n
(mit Peter Kraus)
Polydor 24 929 (1962)
A) Mein Schimmel wartet im Himmel
(a.d. Film "Übermut im Salzkammergut")
B) Regen, Regen 
(a.d. Amicus-Columbia-Film "Just For Fun")
Polydor 52 063 (1963)
A) Wenn doch jede Woche mal der Erste wär'
B) Caroline
Polydor 52 162 (1964)
A) Rote Lippen soll man küssen
(Lucky Lips)
B) Seit wir uns lieben (gefällt mir das Leben) 
(Tips Of My Fingers)
Polydor 52 205 (1964)
A) Marilyn
B) Ach, wär ich doch Old Shatterhand
Polydor 52 295 (1964)
A) Holiday in St.Tropez
B) 22 Beine und die zwei von meiner Braut
Polydor 52 368 (1964)
A) Schatzi, hast du mich vergessen
B) Das ist very good
Polydor 52 413 (1965)
A) Hinter unsrem Haus
(Out Behind The Barn)
B) Wenn dir Rocky rote Rosen schenkt
Polydor 52 482 (1965)
A) Denk nicht immer gleich an morgen
B) Open The Window - Ich will fensterln
Polydor 52 536 (1965)
A) Bohnen in die Ohren
B) Hallo Pussy Cat
(What's New Pussycat)
Polydor 52 588 (1966)
und Suse Feldt 
A) Die Prärie ist so gross
B) Suse Feldt: Schön, schön
Polydor 52 623 (1966)
A) Ei, du schöne Schnitzelbank
B) Goldlamé-Bikini
Polydor 52 698 (1966)
A) Memories Of Heidelberg
B) Niemand weiß, was morgen kann geschehn
(Than I Guess To Do Without)
Polydor 52 813 (1967)
A) Ein Koffer voller Souvenirs aus Germany
B) Meine Gitarre
Polydor 52 864 (1967)
A) I Hear The Drums
B) Nix zu machen Fräulein?
Polydor 53 005 (1968)
A) Lieber Maler male mir
(Deutsche Schlager-Festspiele 1968)
B) Dr. Simon sagt
Polydor 53 057 (1968)
A) Der Kanal von Panama
B) Mir kann keiner helfen
Polydor 53 067 (1968)
A) Little Street In Rüdesheim
B) Ein Indianer kennt keinen Schmerz
Polydor 53 109 (1968)
A) Taxi
B) Pizza d'Amore
Polydor 2041 043 (1970)
A) Lonely Lady
B) When The Shit Hit The Fan
Koch Records International AS 145.347 (1990)

  

Anfang der 60er Jahre, da war der Donnerstag für mich der wichtigste Tag in der Woche: Abends um acht sendete der Hessische Rundfunk die Frankfurter Schlagerbörse. Als ich sie das erste Mal hörte, war Gus Backus gerade mit "Da sprach der alte Häuptling der Indianer" auf Platz 1, für mich das umwerfendste Lied, das ich je gehört hatte. Ich erstand drei Postkarten, um bei der Auswertung gleich mit drei Stimmen dabei sein zu können. Und tatsächlich: Meine Investition hatte sich gelohnt. Über viele Monate hinweg landete Gus immer und immer wieder auf Platz 1.

Was ich damals nicht wusste: Meine Lieblingsradiosendung am Donnerstag war Gus Backus' Sprungbrett zu seiner Karriere in good old Germany: Gus Backus war 1959 als GI nach Deutschland gekommen. Zuvor hatte er es in den Staaten als Leadsänger der Gruppe The Del Vikings mit dem Titel "Come, go with me" schon einmal bis Platz 4 der US-Charts gebracht. Während seiner Army-Zeit geriet er drüben in Vergessenheit und so versuchte er, hier bei uns musikalisch Fuß zu fassen. Er deutschte Hits von Paul Anka und anderen amerikanischen Teenie-Stars ein und hatte zunächst mit seinen von Kritikern stets mit viel Lob bedachten Platten Null Erfolg.

Das änderte sich 1960: Mit der deutschen Version des Nr.1 -Songs "Running Bear" konnte Gus einen ersten Achtungserfolg verbuchen: Der Indianer-Song "Brauner Bär und weiße Taube" stieß in der deutschen Hitparade immerhin bis auf Platz 16 vor. Ende des Jahres er schien von ihm dann eine neue Single, eine Aufnahme des alten deutschen Volksliedes "Muss i denn zum Städtele hinaus", das Elvis Presley seinerzeit ausgegraben hatte, um als "Wooden Heart" damit in Deutschland einen Hit zu landen. Elvis sang den Titel in englisch, lediglich zwei Zeilen steuerte er in deutsch bei. Gus zog mit einer überwiegend in deutsch gesungenen Version nach, wurde damit aber nur mäßig beachtet. Doch glücklicherweise hatte auch diese Platte eine B-Seite: Hier knüpfte Gus an den Erfolg von "Brauner Bär" an: "Da sprach der alte Häuptling" war ein flottes Liedchen mit viel Indianergeheule, einer witzigen Story und einem schmissigen Rhythmus. Daß daraus ein Hit werden könnte, daran schien allerdings zunächst kaum ein Mensch zu glauben. Doch Hanns Verres, Chef der Frankfurter Schlagerbörse, bewies, als er den "alten Häuptling" in seine Sendung setzte, daß er einen guten Riecher hatte. Einmal in Gang gekommen, lief die Platte und lief und lief.

Nach zwei nicht ganz so erfolgreichen Platten ("Tempo Brasiliano" und "I bin a stiller Zecher") folgte einige Monate darauf der zweite ganz große Gus Backus-Hit: "Der Mann im Mond" war ein originell und witzig gemachter Song, der dem Zeitgeist des Jahres 1961, als der erste Mensch im Weltall schwebte, so richtig schön aufs Maul schaute. Über Wochen führte dieser Titel alle Bestsellerlisten an, und Gus Backus gehörte, mit zwei Superhits in einem Jahr, von da an zu den ganz großen Topstars der Schlagerbranche.

In den Folgejahren 1962 und 1963 war er aus den deutschen Hitparaden nicht mehr wegzudenken: Die "Sauerkrautpolka" (beste Plazierung: Platz 2), "No Bier, no Wein, no Schnaps" (Platz 7), "Linda" und "Das Lied vom Angeln" (Platz 4), "Das kleine Wunder vom großen Glück" und "Ein bißchen Denken beim Schenken" (Platz 19), "Der Mondschein an der Donau" (Platz 8) und "Mein Schimmel wartet im Himmel" (Platz 12).

Dann allerdings machte die britische Konkurrenz von Cliff Richard, den Beatles und den Rolling Stones den deutschsprachigen Schlagerlieferanten mehr und mehr zu schaffen und auch für Gus ging es ähnlich wie für viele Stars der vergangenen Jahre sehr schnell bergab: Mit dem textlich und musikalisch nicht unbedingt Backus-liken, aber äußerst gelungenen Country-Song "Goodbye Baby" landete er zwar zunächst noch einmal einen Achtungserfolg (höchste Plazierung: Platz 24). Seine Plattenfirma "Polydor" leistete sich dann jedoch einen Schnitzer, der, wie sich herausstellen sollte, nicht wieder wett zu machen war. Als die Konkurrenz von Electrola/Columbia mit dem von Cliff Richard interpretierten Titel "Rote Lippen soll man küssen" einen Nr.1-Hit landete, da schickte sie mit etlichen Wochen Verspätung eine Backus-Aufnahme hinterher, die dem Original Ton für Ton täuschend echt nachempfunden war. Ein Publikumsliebling wie Gus als Cliff Richard-Verschnitt - das konnte nicht gutgehen und es kam auch prompt, wie es kommen musste: "Rote Lippen soll man küssen" wurde zum größten Flop von Gus' Sangeslaufbahn, und er vermochte sich in der Folgezeit nicht wieder von diesem Misserfolg zu erholen.

Die Folgeplatte "Wenn nur jede Woche mal der erste wär" erfreute sich zwar noch relativ großer Popularität, danach hatte Gus nur im musikalisch seit eh und je konservativeren Österreich noch einmal einen Bestseller mit "Ach, wär ich doch Old Shatterhand". Aber die Zeiten und mit ihnen der Geschmack des Publikums hatten sich geändert. Gus machte Jahre später lediglich noch einmal mit dem Karnevalsschlager "Bohnen in die Ohr'n" von sich reden.

Gus' Schallplatten aus jener Zeit sind heute begehrte Objekte für Sammler. Seine großen Hits, damals in sehr hoher Stückzahl unters Volk gebracht, sind auf Flohmärkten oder Schallplattenbörsen für jeweils ca. 10 DM (einschließlich Hülle) erhältlich. Sehr viel schwieriger hingegen gestaltet sich die Suche nach Titeln, die er vor 1961, also vor seinem großen Durchbruch, oder nach 1963, als sein Stern bereits deutlich im Sinken begriffen war, aufnahm. Solche Scheiben sind unter 25 DM nicht zu haben, selbst 50 bis 60 DM sind keine Seltenheit. Ähnlich steht es um LPs, unter 100 DM werden Originalpressungen kaum angeboten. Fast völlig unmöglich ist es indessen, an Aufnahmen von Gus' Gruppe Del Vikings zu geraten. Trotz intensiver Suche gelang es mir im Laufe der Jahre, lediglich eine Neuveröffentlichung aus den 80er Jahren zu ergattern. Mehr Glück hatte ich bei meiner Suche nach Gus' einziger in französisch gesungenen EP: Die Titel "Delia", "Si la-bas tu'm attends", "Les sabots du bois" und "Lenora" sind vermutlich so ziemlich das Schauderhafteste, das mein Jugendidol je auf Platte veröffentlichte. Sein amerikanisch eingefärbtes Französisch muß eine Beleidigung für jeden Franzosen gewesen sein und es wundert mich nicht im geringsten, daß sie offentsichtlich kein Mensch kaufte. Mich als Sammler kommen solche Flops leider Gottes heute teuer zu stehen: Bei einer Auktion zahlte ich sage und schreibe 300 DM!

 

Wer allerdings keinen wert auf die Originalveröffentlichungen legt und sich mit Neuveröffentlichungen auf CD zufrieden gibt, der ist seit kurzem mit drei Silberlingen der Firma Bear-Family allerbestens bedient: "Die Singles 1959-61" (BCD 15482) enthält sämtliche A- und B-Seiten von Gus deutschsprachigen Singles und EPs aus jener Zeitspanne, angefangen von seiner ersten Platte "Ab und zu" bis hin zum "Mann im Mond", das heißt: Sie bekommen hier vor allem Titel geboten, die seinerzeit weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit erschienen und somit als absolute Rarität bezeichnet werden können. CD Nr.2, "Die Singles 1961-64" (BCD 15873) setzt die Anthologie fort, enthält also vor allem die klassischen Backus-Hits, wartet allerdings ebenfalls mit einer Reihe von Raritäten auf: Neben bisher unveröffentlichten Titeln finden sich hier unter anderem auch zwei Songs, die Gus 1961 unter dem Pseudonym "Die Ramonas" mit sich selbst im Duett aufnahm - zwei entsetzliche Schmachtfetzen, aber für den interessierten Hörer ein echtes Bonbon. Bleibt zu hoffen, daß Bear-Family irgendwann auch noch die letzten Jahre von Gus Jahren in Deutschland dokumentieren wird. Titel der Del Vikings wurden leider bis heute noch nicht auf CD wieder zugänglich gemacht. Statt dessen wartet Bear-Family mit einem Sampler auf, der englischsprachige Gus Backus-Solo-Aufnahmen, überwiegend aus den 60er Jahren, bietet (BCD 15769): Es handelt sich hier um meist vergebliche Versuche, mit BRD Charts-erprobten Titeln auf dem internationalen Markt Aufmerksamkeit zu erwecken, oder um Stücke, mit denen er in Japan Anerkennungserfolge einheimste. Dies ist eher eine Scheibe für ganz hartnäckige Fans.

Und was macht Gus heute? Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, ist Großvater und lebt zusammen mit seiner Frau in den Staaten in einem Homemobil. Sein Deutsch ist so herrlich amerikanisch-bayerisch wie eh und jeh. Und manchmal singt er gemeinsam mit seinen Enkelkindern zur Gitarre: "Da sprach der alte Häuptling der Indianer  / Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf...".  
 
 
 

Regelmäßige Leser der Musikbox (die Plattenecke in der Monats-Zeitschrift "Trödler und sammeln) wissen es längst: Gus Backus war in frühen Jugendjahren für mich das Idol schlechthin. Im "Trödler" vom September 1996 war ausführlich von seinen Single-Schallplatten die Rede. (Artikel oben) Heute nun sind seine Langspielplatten an der Reihe. Die in den frühen Sechzigern mit 22 DM (heute umgerechnet mehr als 50 DM) noch außerordentlich teuren "Dreiunddreißiger"-Scheiben wandten sich zunächst weniger an junge Leute als an reifere, bereits im Berufsleben stehende Käuferschichten.

Dementsprechend bestand das Angebot anfänglich vor allem aus Mitschnitten von Musicals wie "My fair Lady", volkstümlichen Melodien von Ernst Mosch und seinen Original Egerländern, Sprechplatten wie die "Stegreifgeschichten" Jürgen von Mangers oder Tanzschallplatten für die reifere Generation wie "In der Bar nebenan" von Fritz Schulz Reichel. Die Favoriten der jungen Hörer hingegen durften nur in ganz seltenen Fällen eine "eigene" LP veröffentlichen. Einzige Ausnahme war die Polydor-Serie "Die großen Erfolge". In dieser Serie wurden nach und nach die größten Hits von Bill Ramsey, Connie Francis, Peter Kraus und all den anderen Schlager-Heroen der späten Fünfziger und frühen Sechziger veröffentlicht. Polydor-Zugpferd Backus war natürlich auch mit von der Partie: Die 1963 veröffentlichte LP vereint seine frühen Hits wie "Brauner Bär und weiße Taube", "Da sprach der alte Häuptling" und "Der Mann im Mond" und bietet damit noch heute einen brauchbaren Überblick über Gus' erfolgreichste Titel in Deutschland. (Die abgebildete Hülle mit dem Zusatz "e seus grandes sucessos" enstammt der brasilianischen Pressung der Platte).

Gus' Sangeslaufbahn in Deutschland war nur von kurzer Dauer. Wirklich große Hits konnte er lediglich zwischen Ende 1950 ("Da sprach der alte Häuptling") und 1963 ("Der Mondschein an der Donau") verbuchen. Doch seine Popularität war zu dieser Zeit immerhin so gewaltig, dass Polydor 1962 das Wagnis einging, von ihm neben der "Grossen Erfolge" noch eine LP mit extra hierfür aufgenommenen Songs zu veröffentlichen. Auf "Ich hab mein Herz in Germany verloren" ließ sie Gus altbekannte deutsche Evergreens wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" und "In München steht ein Hofbräuhaus" in dem ihm eigenen dick aufgetragenen amerikanischen Akzent singen. Als leidenschaftlicher Anhänger meines Idoles musste ich diese Platte natürlich mein eigen nennen. Das Cover mit dem rotwein-trinkenden Gus erhielt einen Ehrenplatz an einer der Wände meines Jugendzimmers. Allzu oft angehört habe ich mir aber die Scheibe - ehrlich gesagt - nicht: "Wer soll das bezahlen?" oder "Du, du liegst mir im Herzen" - all das fand ich irgendwie altmodisch und nichts im Vergleich zu so umwerfenden Songs wie "Der Mann im Mond" oder "No Bier, no Wein, no Schnaps".

So wie ich dachten vermutlich viele Backus-Fans: Anders als seine Singles, die in steter Regelmäßigkeit an die Spitze der Charts vorstießen, wurde "Ich hab mein Herz in Germany verloren" bereits auf Platz 16 der LP-Charts gestoppt. 1964 sollte es dennoch eine weitere LP von Gus geben. Sie entstand in einer Periode des Umbruchs in der deutschen Schlagerlandschaft. Die Masche der Spaßmacher-Schlager hatte sich reichlich totgelaufen. Nicht nur Gus Backus, auch andere Protagonisten lustiger Lieder wie Bill Ramsey oder Ralf Bendix gerieten zunehmend ins Abseits. Da versuchte seine Plattenfirma, die Popularität ihres vom Karriereknick bedrohten Stars als Interpret von Country- und Western-Songs zu wahren. Mit Goodbye Baby" und "Mein Schimmel wartet im Himmel" erblickten damals zwei Singles das Licht der Welt, die ich noch heute für die gelungensten Titel von Gus Backus halte.

Und mit "Hillbilly Gasthaus" erschien die mit Abstand beste LP, die er je aufgenommen hatte. Auf dieser Scheibe kleidete er vorwiegend alt gediente Standard-Titel in ein neues Gewand: "On top of old Smokey" alias "Ein Haus in der Sierra", "Home on the range" alias "Heim will ich gehn" oder "Don't fence me in", ein Bing Crosby-Hit aus dem Jahr 1944, alias "Oh, Catrin". Die Aufnahmen zu der Langspielplatte fanden stilgerecht in Nashville statt. Zahlreiche Stars der US-amerikanischen Country- und Western-Szene waren mit von der Partie: Grady Martin übernahm die Gitarrenparts, am Piano saß Floyd Cramer und am Baß stand Bob Moore, den seit seinem Welthit "Mexico" auch in Deutschland jedes Kind kannte. Polydor versprach sich viel von dieser Scheibe und veröffentlichte das Album gleichzeitig unter dem Titel "Hillbilly Inn" in einer englisch gesungenen Fassung. Diese englische Version wurde mittlerweile zur unter Sammlern begehrtesten Scheibe vom Gus Backus. Im Gegensatz zu all seinen anderen LPs, die zum Preis von etwa 50 DM gehandelt werden, erzielte "Hillbilly Inn" durchwegs dreistellige Beträge. Ich selbst würde liebend gerne einen Hunderter für die Scheibe ausgeben. Doch leider wurde mir "Hillbilly Inn" in den langen Jahren meiner Sammel-Leidenschaft bislang noch kein einziges Mal angeboten. Preisgünstiger ist die Wiederveröffentlichung auf CD: Der bei Bear-Family erschienene Silberling (15765 AH) vereint sämtliche Titel sowohl der "Hillbilly Gasthaus" - als auch der "Hillbilly Inn"-LP und enthält somit für schlappe 30 Mark 28 Backus-Songs, die auch heute, nach immerhin 34 Jahren, noch erstaunlich frisch und aktuell klingen. Der CD liegt, wie bei Bear-Family üblich, ein ausführliches und liebevoll gestaltetes Booklet bei. Einziger Wermutstropfen: Wieder einmal sind die Original-Hüllen der beiden Scheiben leider nur klitzeklein abgebildet. Wieso kapieren die Plattenfirmen denn nicht, welche große Bedeutung die ursprünglichen Cover für den Sammler haben?

Gus' Country-Songs wurden seinerzeit selbst von Kritikern, die für Schlagermusik nichts übrig hatten, einmütig gelobt. Dennoch blieb der kommerzielle Erfolg aus. 1964 hatte es alles, was nicht nach Beat klang, auf dem deutschen Plattenmarkt schwer. Im immer mehr um sich greifenden Rummel um die Beatles und die Stones gingen die zwei LPs leider sang- und klanglos unter. Gus hatte sich zwischen alle Stühle gesetzt: Den jugendlichen Fans war es mehr nach "She loves you" und "Satisfaction" zu Mute als nach "Oh Susanna" und "Heim will ich geh'n". Und das betagte Publikum wollte von ihm lieber Sachen hören wie die "Sauerkrautpolka" oder "Böhmische Knödel und scheene Musik". So kam es, daß "Hillbilly Gasthaus" der erste und zugleich auch letzte Versuch der Polydor blieb, mit ihrem Schützling Neuland jenseits alter ausgetrampelter Pfade zu betreten.

Stattdessen setzte sie fortan auf tumbe Bierzelt-Fröhlichkeit und vermarktete Gus erbarmungslos als "Stimmungskanone". Nie wieder gab es von ihm so schöne Lieder wie "Goodbye Baby" oder "Mein Schimmel wartet im Himmel". Stattdessen ließ man ihn Karnevalhymnen wie "Schatzi, hast du mich vergessen?" oder "Wenn doch jede Woche mal der erste wär", singen. Ähnlich seine sämtlichen LPs, die er zwischen 1965 und 1969 veröffentlichte. "Backus in die Ohren" enthielt Altdeutsches wie "Aber dennoch hat sich Bolle...", "Schön ist ein Zylinderhut" und den Song, mit dem Gus als einzigen nach 1964 noch einmal einen Hit landete: "Bohnen in die Ohren". Ähnlich "Ich bin kein stillerZecher" ("28 Lieder zum Schunkeln und Mitsingen") und - trauriger Höhepunkt - "Frau Wirtin hat auch einen...", ein Sammelsurium von witzig gemeinten Jux-Versionen damals aktueller Hits wie "Fremde in der Nacht", das zu "Fremdgeh'n in der Nacht" mutierte.

Gus Backus, man kann es sich angesichts all der volkstümelnden "Witzichkeit" kaum noch vorstellen, war eigentlich ein leidenschaftlicher Vollblut-Musiker. Bevor er als GI nach Deutschland gekommen war, hatte er sich in den Staaten mit "Come go with me", einem astreinen Rock'n-Roll-Song, bereits eine Goldene Schallplatte ersungen. Daß ein derartiges Talent von der Plattenindustrie so verheizt wurde, zeugt eindrucksvoll von der Orientierungslosigkeit, die in den wilden Jahren des Beats unter Deutschlands Plattenmachern herrschte.

Das zeigt. - ungewollt - auch die LP, die, beeindruckender als jede andere, Gus' musikalisches Talent beweist: Auf "Backus auf die Bühne", einem Live-Mitschnitt, ist Gus unter anderem mit einer fantastisch souligen Version von "Yesterday" zu hören, mit einer stilechten Interpretation von "Summertime" und vor allem mit einer mitreißenden Aufnahme des Animals-Klassikers "The house of the rising sun". Doch zwischen all diesen umwerfenden Songs verlangt ein hirnlos grölendes Publikum monoton nur nach einem: "Bohnen in die Ohren! Bohnen in die Ohren!"

Meine Leidenschaft für Gus Backus darf mittlerweile wohl als "verjährt" gelten. Doch noch heute finde ich es schade, daß er sich in "good old Germany" so immens unter Wert verkaufte. Er hätte wirklich das Zeug zu sehr viel mehr gehabt.

Thommi Herrwerth

(in der Zeitschrift TRÖDLER & Sammeln.)


Donald Edgar Backus wurde am 12.9.1937 in New York geboren. Vor seiner Einberufung zur US-Air-Force studierte er einige Semester Medizin. Während seiner Militärzeit gründete er die Gruppe "The Del-Vikings", die bei einer TV-Show den ersten Preis gewann. Daraufhin erhielten sie einen Plattenvertrag und hatten mit "Come Go With Me" erste internationale Erfolge. Nach Beendigung seiner Militärzeit in Wiesbaden, blieb er in Deutschland. Bis heute hat er ca. 50 Platten auf den Markt gebracht und in mehr als 10 Filmen mitgewirkt. Als Moderator im Fernsehen präsentierte er die Sendung "Party Geschichten". Seine erfolgreichsten Schlager waren "Sauerkrautpolka"' "No Bier" und "Bohnen in die Ohr'n".
 
 






 


 
 




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