REX GILDO

(Ludwig Alexander Hirtreiter).
* 2.7.1939 in München,
† 26.10.1999 in München

Sohn eines Kaufmanns. Handelsschule. Mitglied der Regensburger Domspatzen, Schauspielunterricht, über 30 Filmrollen. Gesangsunterricht bis heute. Bisher erschienen über 200 Schlager in deutscher, englischer, französischer, holländischer Sprache. 12 Millionen verkaufte Platten.

Bekannte Titel: "On the street where you live", "Speedy Gonzales", "Zwei blaue Vergißmeinnicht", "Dondolo", "Wer das verbietet", "Memories".

Zeitweise erfolgreich durch gemeinsame Schlager mit Gitte : "Jetzt dreht sich die Welt nur um dich" (3. Platz der Deutschen Schlagerfcstspiele 1964).

Produzenten: Heinz Gietz sowie Peter und Thomas Meisel. 289 Fanclubs (Juni 1971). Rolle des "Freddy" in der deutschen Erstaufführung von "My fair lady" (Berlin). "Brillantene Schallplatte". Eigene Bühnen-Show. "Dauerbrenner" im deutschen Show-Geschäft seit über 10 Jahren. Auftritte in Paris, Kopenhagen, Madrid.

(aus "Schlager in Deutschland", hrsg. von Siegmund Helms, 1972, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden)

Verkauft wird er als der romantische Junge. Er sei ein echter Romantiker, so heißt es. Und deshalb könne er auch so glaubhaft romantisch singen.

Fest steht, daß er seit langer Zeit gleichmäßig großen Erfolg hat. Seine Karriere begann unter anderem durch Duotitel mit Gitte: "Gehn sie aus, im Stadtpark die Laternen" war ihr größter gemeinsamer Erfolg. Beide galten lange Zeit als Traumpaar der Showszene. Daß er auch allein erfolgreiche Titel machen konnte, zeigte sich nach der Trennung von Gitte. Jedoch nicht nur die romantischen Titel sind erfolgreich, sondern auch die lustigen Mitklatschtitel. Ja, ja, und dann wieder die Romantik!

Wie sagte doch das Mädchen in Rex Gildos Zahnpastawerbung? "Von diesen Zähnen möchte ich mich beißen lassen!"
 
 

Schon früh erregte die schöne Stimme des am 2.7. 1939 als Rudolf Hirtpichler (?) in München geborenen die Aufmerksamkeit; man schickte ihn gar zu den weltberühmten "Regensburger Domspatzen", aber sein Heimweh brachte ihn bald nach München zurück. Nach Abitur und Handelsschule begann er eine umfassende und gründliche Ausbildung für Schauspiel, Gesang und Tanz, hatte bald kleine Theaterrollen, die immer größer wurden und kam schnell zum Film; heute sind es über 30 Filmrollen, und man sah ihn damals zunächst nur als Schauspieler.

1959 jedoch wurde er von Kurt Feltz ("Schlagerpapst") zum Vorsingen eingeladen und der Erfolg stellte sich fast unmittelbar ein. Es folgten die berühmten Duette mit Gitte. Jahrelang hatten die beiden einen hervorragenden Platz im deutschen Show-Geschäft und einen starken Einfluß auf alle Bereiche der heranwachsenden Jugend - bis die Wege beider Künstler sich wieder trennten und Rex seilen eigenen Plänen nachging. Heute ist der vielseitige Rex besonders im Musical zu finden. Seiner Heimatstadt München ist er treu geblieben.
 

Die Autogrammkarte oben rechts (Foto: Erwin Schneider, München) stammt aus dem Jahre 1960. Rex hatte erst vier "Normalspielplatten 45" auf ELECTROLA- Schallplatten heraus gebracht:

Rexy zähl' auf mich
...aber die in der Mitte
E 21 159

Laß mich geh'n
Was tut man nicht mit 18 Jahren
E 21 238

Du bist mein Typ
Gänsehaut
Rex und Ricky
E 21 298

Denk an mich in der Ferne
7 Wochen nach Bombay
E 21 351
 
A) Denk an mich in der Ferne
    (Put Your Head On My Shoulder)
B) 7 Wochen nach Bombay
    (Wie die Zeit vergeht)
    (I'm gonna get married)
Electrola E 21 351 (1960)
mit Conny Froboess
A) Lippenstift am Jacket
B) Yes My Darling
Electrola E 21 392 (1960)
A) Ein Sonntag ohne dich
    (aus dem Film"Marina")
B) ...und dann fuhren sie wieder nach Jamaika
    (aus dem Film"Meine Nichte tut das nicht") Electrola E 21 489 (1960)
    (aus dem Film "Conny und Peter machen Musik") A) Va Bene
B) Dein zu sein
    (We Got Love)
Electrola E 21 491 (1960)
    (aus dem Film "Conny und Peter machen Musik") A) Das geht die Leute gar nichts an
    (Conny und Rex)
B) Sag' mir, was du denkst
    (Conny und Peter)
Electrola E 21 526 (1960)
A) Das Ende der Liebe
    (Tell Laura I Love Her)
B) Minnetonka Mady
Electrola E 21 640 (1960)
A) Geh' nicht vorbei
B) Die Liebe zu dir
Electrola E 22 111 (1961)
A) Speedy Gonzales
B) Du nennst alle Männer Darling
    (You call everybody darling)
Electrola E 22 231 (1961)
A) Maddalena
B) Tampico Lady
Electrola E 22 337 (1961)
A) Zwei blaue Vergißmeinnicht
    (Say wonderful things to me)
B) My Sonny I Love You
Electrola E 22 406 (1962)
    mit Gitte
A)Vom Stadtpark die Laternen
B) Hey-Hey-Ole
Columbia C 22 418 (1962)
A) Liebe kälter als Eis
    (Devil in disguise)
B) Heidi
    (aus dem Film "Und wenn der ganze Schnee verbrennt")
Electrola E 22 433 (1963)
A) Schloß auf dem Mond
B) Glück gehört dazu
    (aus dem Film "Appartmentzauber")
Electrola E 22 594 (1963)
mit Gitte
A)Jetzt dreht die Welt sich nur um dich
    (Deutscher Schlager-Festspiele 1964)
B) Unser Haus, das steht in Tennesee
Columbia C 22 703 (1964)
A) Der Colt steckt immer im Pyjama
B) Die jungen Damen
Electrola E 22 787 (1964)
A) Leider, leider
    (Dear One)
B) Oh, Oh, Candy Lips
    (Candy Lips)
Electrola E 22 897 (1964)
A) Wenn es sein muß kann ich treu sein
    (In The First Night Of The Fullmoon)
B) Copacabana
Electrola E 22 904 (1965)
A) Mein Geheimnis
B) Sieben lange Tage
    (Such an Easy Question)
Electrola E 23 025 (1965)
A) Silberglocken läuten
B) Viele bunte Päckchen
    (Christmas Song)
Electrola E 23 104 (1965)
A) Rosen brauchen Sonnenschein
B) Tu mir nicht weh
Electrola E 23 195 (1966)
A) Goodbye, Susan
B) Du glaubst mir nicht, daß ich dich liebe
Electrola E 23 399 (1966)
A) Ein Ring aus Gold
B) Man muß auch mal verlieren können
Ariola 19 360 AT (1967)
A) Sommerblau
B) Komm, laß uns tanzen
Ariola 19 562 AT (1967)
A) Der Mond hat seine Schuldigkeit getan
(Gala-Abend der Schallplatte - Schlagerpremiere)
B) Du bist schöner als du denkst
Ariola 19 564 AT (1967)
A) Wer dich kennt, der muß dich lieben
B) Zufall
    (Good Times)
Ariola 19 976 AT (1966)
A) Wer das verbietet
    (Deutscher Schlager-Wettbewerb 1968)
B) Sunday-Girl
Ariola 14 057 AT (1967)
A) Dondolo
B) Laß uns jeden Tag zusammen träumen
Ariola 14 184 AT (1967)
A) Das große Spiel
    (Tout est si beau) B) Mädchen, Mädchen
Ariola 14 397 AT (1969)
A) Love A Little Bit (Melinda)
B) Nimm das Rot vom Regenbogen
Ariola 14 504 AT (1970)
A) Keine Macht auf Erden
B) Die 10 Gebote der Liebe
Ariola 14 594 AT (1970)
A) Memories
B) In meinen Augen kann jeder lesen
Ariola 10 075 AT (1971)
A) Fiesta Mexicana
B) Mit gebundenen Händen
Ariola 12 236 AT (1972)
A) Marie, der letzte Tanz ist nur für dich
B) Wir sehen uns nicht zum letzten Mal
Ariola 13 555 AT (1974)

Rex Gildo - wenn dieser Name fällt denken die meisten zugleich an "Fiesta Mexicana", seinen großen Hit aus dem Jahre 1972. Seine legendären Schlager aus den frühen Sechzigern hingegen sind heute zum großen Teil in Vergessenheit geraten - zu Unrecht, denn gerade Rex' frühe Songs hatten es in sich. Allen voran "Das Ende der Liebe" aus dem Jahre 1960 ist einer der absoluten Highlights deutschen Schlagerschaffens. "Das Ende der Liebe" war die deutsche Version eines US-Songs namens "Tell Laura, I love her", im Original die Geschichte eines jungen Mannes, der an einem Motorradrennen teilnimmt, in der Hoffnung, mit dem Sieg das Geld zu gewinnen, mit der er die Hochzeitsringe für sich seine Auserwählte, eben jene Laura, bezahlen will. Doch wie es das Schicksal so will: Er verunglückt tödlich und seine letzten Worte verhalfen dem Song zu seinem Titel: "Tell Laura, I love her". In den USA standen Kritiker und Pädagogen Kopf und beklagten die mutmaßliche Verletzung des guten Geschmackes. Den Fans war das egal, der Song wurde ein großer Renner und folglich sollte es auch eine deutsche Fassung geben. Den Tod auf der Rennbahn mochte man allerdings dem einheimischen Publikum nicht zumuten. Statt dessen reimte man eine unverfänglichere, aber ähnlich tränenrührselige Geschichte: Die erste Strophe stimmte den Hörer auf die Problemstellung ein: "Im Sommer noch waren sie glücklich / und glaubten, so würde es immer sein / morgens, abends, im Sonnenschein, im Sternenschein. Doch über Nacht sah es anders aus, / er stand vor einem leeren Haus: / Sie zog mit ihren Eltern fort, / nach Übersee, sie schrieb von dort: / Das Ende der Liebe, das Ende der Träume / wird unsere Trennung sein / Ich kann so allein ohne dich nicht sein." In der zweiten Strophe versuchte der Sänger, das Unglück - vergeblich, wie sich herausstellt - zu bezwingen: "Für lange Zelt hat er gespart, / denn teuer ist so `ne Überfahrt. / Die letzte Mark ging dafür drauf / und dann gab er noch seine Arbeit auf. / Und er fuhr soweit übers Meer, / fand die Eltern, das war nicht schwer. / Doch sie war nicht im gesuchten Haus, / die Mutter brach in Tränen aus." (An dieser Stelle brach Hanns Verres, Moderator der "Frankfurter Schlagerbörse", meiner Lieblings-Rundfunkhitparade, bei der Präsentation des Titels in deutlich vernehmbares Lachen aus - ich wollte ihm das ursprünglich nie verzeihen, aber die Zeit heilte Gott sei Dank auch diese Wunde.) Kommen wir zur dritten Strophe. Es gibt für den Sänger keine Zukunft mehr, alles ist völlig hoffnungslos: "Nun steht er da am fremden Strand, Ufern der Heimat und unbekannt. / Seine Augen schau'n übers weite Meer, / Er lauscht einer Stimme von irgendwoher: / Das Ende der Liebe, das Ende der Träume / wird Deine Reise sein. / Sie kommt nie mehr, Du bleibst allein . Während aller drei Strophen steigerte sich die bedrohliche Stimmung von Melodie und Arrangement kontinuierlich und die Stimme von Rex verfiel Wort für Wort mehr in eine Weltuntergangs-Depression. Gegen Ende setzte dann gar die Orgel ein wie auf einer Beerdigung. - Ich war damals elf Jahre alt und muß sagen, daß es seither kein anderes Lied mehr gab, das mich ähnlich ergriffen hätte. Ich bin Rex Gildo noch heute dankbar dafür. Mit "Das Ende der Liebe" gelang Rex Gildo, der 1956 noch unter dem Namen "Alexander Gildo" seine erste Platte veröffentlicht hatte ("Cafeteria Santa Lucia" bei Polydor) erstmals der Sprung in die Top Ten der deutschen Charts (höchste Platzierung: Rang 8).

Zuvor hatte er bereits mehrere Achtungserfolge gelandet – darunter so außerordentlich hübsche Songs wie sein Duett mit Conny Froboess "Yes, my Darling", und "Laß mich gehn" (Original: "Turn me loose" von Fabian), ein musikalisches Vater-Sohn-Drama der Meisterklasse, das mich seinerzeit als zehnjährigen Dreikäsehoch tief, tief bewegte: "Ich bin schon neunzehn Jahre alt und die Gefahr, sie läßt mich kalt, drum laß mich gehn, laß mich gehn, laß mich gehn, la-ha-laß mich gehn!" - Wie unendlich groß war meine Bewunderung für den Sänger, der diese Worte seinem Dad so souverän entgegenschleuderte! Rex war seinerzeit ein gut aussehender Typ, der sich durch diverse Rollen in Musikfilmen einen Namen gemacht hatte. Neben Peter Kraus und Conny avancierte er in den frühen Sechzigern zu dem Idol der bundesdeutschen Teenager - was er gewiss nicht nur seinen stimmlichen Qualitäten zu verdanken hatte: Er war wohlproportioniert (was ihm schon früh den Spitznamen "Sexy Rexy" einbrachte) und trug stets ein strahlendes Lächeln auf den Lippen (das er sich von der Zahnpasta-Firma Durodont, für die er jahrelang in Anzeigen warb, vergolden ließ). Kurz gesagt: Rex Gildo war ganz einfach ein schnuckeliges Kerlchen.

Alljährlich wurde er von den BRAVO - Lesern bei der "Otto-Wahl" unter die ersten drei gewählt - auch wenn er mit seinen Platten, die dem "Ende der Liebe" folgten, nur im Mittelfeld der Hitparaden landete: "Hast du das alles vergessen?", die Eindeutschung des (in den Achtzigern durch den Film "Dirty Dancing" ein weiteres Mal zu Ehren gekommenen) Shirelles-Welthits "Will you still love me tomorrow?" und "Geh nicht vorbei" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Christian Anders-Hit von 1969) zählen zweifelsohne zu den besten Sachen, die Gildo je aufnahm. Es ist außerordentlich schade, daß es (mit Ausnahme von "Das Ende der Liebe") keines dieser delikaten Sahnestückchen heute mehr auf Tonträger zu kaufen gibt. Es gibt Dutzende von Samplern, auf denen immer wieder "Fiesta Mexicana" zu hören ist. Aber "Geh nicht vorbei", "Laß mich geh'n" oder "Hast du das alles vergessen ? - Fehlanzeige.

1962 schließlich landete Rex den ganz großen Coup: Pat Boone hatte in den Staaten einen Superseller namens "Speedy Gonzales". Die Herren sämtlicher Plattenfirmen ahnten sehr schnell, daß dieser Song auch beim deutschen Schlagerpublikum gut ankommen würde und waren umgehend mit eingedeutschten Aufnahmen zur Stelle: Polydor schickte den populären TV - Ouizmaster Lou van Burg, Teldec, Caterina Valente und Silvio Francesco ins Rennen. Beide Aufnahmen landeten in des Publikums Gunst indes unter "ferner liefen". Rex Gildos von der Electrola veröffentlichte Aufnahme konnte sich hingegen noch vor der amerikanischen Originalfassung behaupten und stieß in der Verkaufshitparade vor bis Platz 1.

"Speedy Gonzales" war ein ausgesprochen fetziger, im Rock'n-Roll-Stil gehaltener Song mit einer zündenden Melodie und einem pfiffigen, mit Kastraten-Stimme zum Besten gegebenem Refrain. Lässig erzählte Eingangsworte ("Es war eine wunderschöne Mondnacht und ich spazierte allein zwischen verträumten Haziendas. Da plötzlich hörte ich das klagende Weinen eines jungen Mädchens...")' witzige Zwischenrufe ("Aber wieso? - Ich hab doch nur auf dem Markt ein paar Tortillas und Cerveca gekauft!") und die musikalisch eindrucksvoll untermalten Zwischenstrophen erzählen die lustige Story von Gonzales, dem auf frischer Tat ertappten mexikanischen Casanova: "Erzähl' doch keine Märchen, Speedy Gonzales, was hast Du Dir denn bloß gedacht?! Du hast bestimmt auch heute wieder / eine Dummheit gemacht! Denn ungefähr seit gestern abend / da flüstert jeder in der Stadt, / daß eine schöne Seniorita / dein wildes Herz erobert hat )..". Nach dem immer wiederkehrenden und immer langweiliger werdenden Seemann-, Heimat- und In-die-Ferne-Einerlei, das deutsche Schlagermacher seinerzeit stets aufs Neue wiederkauten, war dieser fetzige Titel eine wahre Wohltat. Daß neben der amerikanischen Originalversion ausgerechnet die Aufnahme von Rex Gildo so eindeutig das Rennen machte, das lag vermutlich vor allem daran, daß er den Song rhythmisch nicht verharmloste. Im Gegenteil: Die Aufnahme von Rex kam eher noch zackiger daher als die von Pat Boone mit seiner Weichspüler-Stimme. Mit "Speedy Gonzales" hatte Rex Gildo endgültig den Durchbruch nach ganz oben geschafft, er war von da an für viele Jahre aus dem deutschen Schlagergeschäft nicht mehr wegzudenken. Ganze sieben Mal sollte ihm der Sprung in die Top Ten erneut gelingen. Mit dem Nr.1-Hit "Speedy Gonzales" war "Sexy Rexy" nach "Das Ende der Liebe" zum zweiten Mal der Sprung in die Top 10 der deutschen Verkaufshitparade gelungen.

Schon mit der Folgesingle setzte er 1963 seinen Triumphzug fort. Ihr Titel: "Maddalena". Von "Hast du alles vergessen?" über "Das Ende der Liebe" bis hin zu "Speedy Gonzales" hatte man Rex bis dato fast ausschließlich Cover-Versionen US-amerikanischer Hits aufnehmen lassen. Nun, nach dem großen "Gonzales"-Coup, beauftragte man das erfolgreiche Autorenteam Heinz Gietz und Hans Bradtke, ihm einen Titel maßzuschneidern. Die beiden schufen für Rex eine Slapstick-Story, die erneut im fernen Mexiko angesiedelt war und ließen Deutschlands neuen Pop-Star erneut in die Rolle eines heißblütigen, letztlich aber etwas depperten Liebhabers schlüpfen, der seine Angebetete des Nachts vor ihrem Fenster anfleht: "Maddalena, Maddalena, komm mach dein Fenster auf und sag' mir endlich wann, / Maddalena, Maddalena, wann fängt die Nacht der Nächte an?". Doch, wie das Leben eben so spielt, erntet er nichts als Undank: "Bist du schon wieder da, wie oft störst du mich noch: Verschwinde!". Ihre so lautstark bezeugte Gefühlskälte hat, so ahnt der ihr unglücklich in Liebe zugeneigte Sänger, eine ganz einfache Ursache: "Ich glaub', der Pedro ist bei dir" mutmaßt der erfolglose Freier, und tatsächlich erklingt denn auch aus Maddalenas Gemach ein deutlich vernehmbares "Hä hä hä! Erraten!". Gewiss, "Maddalena" war eindeutig vom Vorläufer "Speedy Gonzales" inspiriert, doch erlagen die Autoren des Songs gottlob nicht der Versuchung, einen "Nachzieher" zu schaffen, der im Grunde nichts anderes tat, als den erfolgreichen Vorläufertitel Ton für Ton nachzuempfinden. Die witzige Story, die schmissige, eindrucksvoll untermalte Melodie und das fetzige Arrangement des Titels - all das wurde vom Publikum als ausgesprochen originell empfunden und katapultierte Rex Gildo in den Charts bis auf Rang 4.

Zweimal Mexiko war indessen genug - das sahen zum Glück auch Rex' Produzenten so und legten in der Folgezeit ihren Zögling nicht ein weiteres Mal auf die "Gonzales" / "Maddalena"- Masche fest. Die Fans zeigten sich dankbar und bescherten Rex Gildo so im gleichen Jahr 1963 noch zwei weitere Top-Ten-Titel: Mit "Zwei blaue Vergissmeinnicht" der deutschen Fassung des (hierzulande fast völlig unbekannt gebliebenen) britischen Grand Prix - Beitrages "Say wonderful things to me" stellten sie einen ähnlich guten Riecher unter Beweis wie danach mit der Eindeutschung von Elvis Presleys "Devil in disguise" alias "Liebe kälter als Eis". Rex Gildo konnte sich mit diesen beiden Aufnahmen endgültig als Dauergast im Spitzenfeld der Charts der Jahre 1962 und 1963 behaupten: Mit "Zwei blaue Vergissmeinnicht" plazierte er sich auf Rang 4, "Liebe kälter als Eis" teilte sich, den damaligen Gepflogenheiten der Hitparade entsprechend, mit dem amerikanischen Original gar Rang 2.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich zu seinen Soloaufnahmen schoss Rex auch noch als Duettpartner von Sangeskollegin Gitte nach vorn: "Vom Stadtpark die Laternen" wurde zu Rex Gildos zweitem Nr.1-Hit. Er war am Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Das Folgejahr 1964 war das Jahr der Beatles und der Rolling Stones und bescherte fast der gesamten Garde deutscher Schlagerlieblinge einen Karriereknick. Auch Rex Gildo blieb davon nicht unverschont: Mit Ausnahme eines weiteren Duetts mit Gitte ("Jetzt dreht die Welt sich nur um dich", Platz 6) musste sich der so sehr vom Erfolg verwöhnte Star bis auf weiteres mit Platzierungen im Mittelfeld der Charts bescheiden. Der perfekt produzierte und von Gildo gewohnt überzeugend präsentierte Schmusesong "Glück gehört dazu" wurde 1964 schon auf Platz 16 gestoppt, der beatlike Titel "Leider leider" stieß 1965 gar nur bis Rang 25 vor, und auch "Wenn es sein muß, kann ich treu sein", ein Titel, der auf dem Zehner-Plattenspieler sehr wohl zwischen "Help!" und "Skinny Minnie" passte, scheiterte mit Rang 11 kurz vor dem Eintritt in die Top Ten.

1966 wechselte Rex von der Electrola zu Ariola, wo er mit "Augen wie zwei Sterne" einen gekonnten Einstand absolvierte. Doch mehr als ein Rang 22 war auch dieses Mal nicht drin - Titel in deutscher Sprache hatten es in der zweiten Hälfte der Sechziger eben nun einmal alles andere als leicht, gegen die Beatles, die Stones und die Beach-Boys, gegen Sonny and Cher, Chris Andrews und die Mamas und Papas hatten sie kaum eine Chance. Das allerdings sollte sich 1969 für einige Jahre noch einmal gründlich ändern: Deutschlands Schlagermacher erwachten spät, aber nicht zu spät, aus ihrem Dornröschenschlaf und schufen mit der ZDF-Hitparade ein äußerst zugkräftiges Forum für einheimische Interpreten. Mit einem Mal gab es wieder jede Menge Stars "made in Germany": Jürgen Marcus, Juliane Werding, Bernd Clüver, Michael Holm und und und... Auch etliche Schlagergrößen der Sixties, um die es bereits sehr still geworden war, waren mit einem Mal wieder da: Ricky Shayne etwa feierte ein glanzvolles Come-Back, und Manuela ersang sich quasi zum zweiten Mal eine ganze Generation treuer Fans.

Auch der nach wie vor telegene "Sexy Rexy" war nun wieder mit von der Partie: 1969 meldete er sich zunächst mit "Dondolo" (Platz 10) zurück, und 1972 schließlich war es dann so weit: "Fiesta Mexicana", sein erster mexikanisch angehauchter Titel seit "Speedy Gonzales" und "Maddalena", stieß bis Rang 4 der Verkaufs - Charts, hielt sich mehr als ein halbes Jahr hindurch in den Top 10 und wurde zu dem Rex Gildo-Titel schlechthin. Rex zählte von nun an für Jahre noch einmal zur Créme de la Créme des deutschen Schlagers. Er war noch einmal ganz oben angelangt und etablierte sich als dominierende Figur der Popmusik der Siebziger Jahre. Mit "Marie, der letzte Tanz ist nur für dich" (1974, Platz 6) und "Der letzte Sirtaki" (1975, Platz 9) lieferte er erneut zwei weitere Top Ten-Titel ab. Als dann jedoch in der zweiten Hälfte der Siebziger der deutsche Schlager klassischer Machart trotz ZDF-Hitparade erneut an Boden verlor, da gab es auch für Rex keinen Halt mehr: Spätestens seit 1980 wurde es endgültig still um ihn.

Seither bietet er - seine Fans mögen mir verzeihen - ein Bild des Jammers: Immer wieder versucht der gealterte Ex-Star in die Rolle des jugendlichen Beaus zu schlüpfen. Er trägt die Maske immer dicker auf und zappelt mit seinem Unterkörper, als habe er gerade eben seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert. Warum, so frage ich mich, kann ein Pop-Star nicht in Würde altern? Spätestens seit Drafi Deutscher, dem heute gleichfalls über 50 Jahre alten Ex-Teenager-Star, dürfte es sich doch herumgesprochen haben, dass Glatze und Bauch kein Hinderungsgrund sind, vom Publikum geliebt zu werden. Drafi mit seinen Falten ist auch heute noch authentisch, Rex Gildo hingegen kommt als schlechte Kopie seiner selbst daher.

Rex' Singles aus den Siebzigern gibt es heute für ein paar Mark auf jeder Plattenbörse, mit etwas Glück findet man sie sogar noch auf Flohmärkten. Seine Hits aus den Sixties sind schwieriger aufzutreiben. "Speedy Gonzales" etwa findet man nur selten im Bildcover, da die Scheibe zunächst in einem für diese Zeit typischen Lochcover vertrieben wurde, das als Verpackung für verschiedene Platten desselben Künstlers benutzt wurde. Rex' frühe Highlights schließlich, vor allem der Titel "Lass mich geh'n", sind äußerst rar und ändern meist nur zu Liebhaberpreisen ihren stolzen Besitzer. Angesichts der Tatsache, daß es diese außergewöhnlich hübschen Songs heute nicht mehr auf CD gibt, finde ich das sehr schade. Immerhin gibt es - quasi als Trostpflaster - einen Silberling, der sein allerschönstes Lied, "Das Ende der Liebe", enthält: "Rex Gildo Single Hit Collection" (EMI 826777-2) bietet als einzige Wiederveröffentlichung seine sämtlichen bei Electrola und bei Ariola veröffentlichten Top-Ten-Titel aus den gesamten 26 Jahren, in denen Deutschlands beständigster Schlagerstar am Himmel strahlte: Von "Das Ende der Liebe" über "Speedy Gonzales" und "Zwei blaue Vergißmeinnicht" bis hin zu "Der letzte Sirtaki" und - natürlich -"Fiesta Mexicana". Hossa!
 
 
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