
* 21.9.1920
in Genf,
† 25.Februar
1998 im Kanton Tessin/Schweiz.
in St. Moritz aufgewachsen. Dort Hotelfach erlernt. Skilehrer. Als Soldat 1943 schwer verunglückt, zwei Jahre Lazarett. 1946 aus einem Gesangswettbewerb in Zürich als Sieger hervorgegangen. Zunächst Arbeit für Radio Zürich und Basel, Auftritte in Nachtclubs.
1950
Schallplattenvertrag. Bis 1969 über 12 Millionen Platten verkauft.
Viele Film- und Musical-Rollen, ebenso erfolgreich in TV-Serien ("Grüezi
Vico","Hotel Victoria", "Der Goldene Schuss"). Beherrscht sechs und
singt in zwölf Sprachen. Bekannte Titel: "Siebenmal in der Woche",
"Schön und kaffeebraun", "Ananas aus Caracas", "In der Schweiz" ,"Kalkutta
liegt am Ganges".
Er
wurde am 21.9.1920 in Genf geboren und heißt tatsächlich so
- eine Schweizer Familie italienischen Ursprungs. Ein zunächst eher
unauffälliger Werdegang: Erlernung des Hotelfachs, Konditor, Koch,
sowie auch Ski-Unterricht, - den er gab, bevor er zum Militär musste.
Aber bei den Soldaten ging es auch los mit der leichten Muse; Gitarre und
Akkordeon im Selbstunterricht, dazu das eigene Gesangstalent, so unterhielt
er die Kameraden und später, im Hotelberuf, die Gäste. In Zürich
wendete sich sein Schicksal.
Mit seiner einschmeichelnden, melodischen
Stimme errang er bei einem Sängerwettstreit 1946 den ersten Preis
und erhielt Engagements von Radio Zürich und Radio Basel. Auf ersten
Tourneen nach Deutschland traf er auch Willy Berking, der Vicos viel versprechende
Begabung erkannte und ihn dem deutschen Publikum vorstellte. Dann ging
es in atemberaubendem Tempo aufwärts: Rundfunkverträge mit HR
und NWDR, ein Schallplatten-Bestseller nach dem anderen, bis von ihm schließlich
über 500 Titel mit 13 Millionen verkauften Platten bekannt wurden.
Gastspielreisen eigener Tourneen trugen seine Popularität in alle
Städte Europas und eigene Fernseh-Shows ließen die Beständigkeit
dieses Talentes ebenso erkennen wie seine vielen Musical-Rollen auf Bühnen,
was zusammen ihm die liebevoll-treffende Bezeichnung eines deutschen Mr.Musical
einbrachte; er ist zwar Schweizer, hatte aber in Deutschland stets seine
zahlreichsten und treuesten Anhänger.
Der Schweizer Unterhaltungsstar
Vico Torriani starb am 25. Februar nach schwerer Krankheit 77jährig
in
Agno (Tessin).
Torriani wirkte zwar in mehr als einem Dutzend Filme mit, aber obwohl ihm
Curt Riess 1956 prophezeite, er werde "für lange Jahre ein begehrter
Filmstar" sein, waren seine Leinwandauftritte selten etwas anderes als
Vehikel für seine Lieder. In seinen ersten Filmen "Der bunte Traum"
(1951) und "Meine Frau macht Dummheiten" (1952) steuerte er lediglich zur
belustigend gemeinten Handlung eine Handvoll musikalischer Einlagen bei.
Werner Jacobs, einer der produktivsten Routiniers des Schlagerfilms, ließ
Torriani 1953 in "Straßenserenade" die Hauptrolle eines Busfahrers
spielen, der zum Gesangsstar aufsteigt. Ebenso geht es in "Gitarren der
Liebe" (1954) um die Entdeckung eines gesanglichen Naturtalents, wobei
die Geschichte diesmal im italienischen Ambiente spielt. Auch im wahren
Leben hatte der am 21. September 1920 in Genf geborene Torriani zunächst
eine Lehre als Koch und Konditor absolviert, ehe er 1947 bei einem Sängerwettbewerb
in Zürich den ersten Preis gewann. Seine Debütplatte "Addio,
Donna Grazia" machte ihn auch in Deutschland bekannt. Im hiesigen Film
war er fortan für jungenhaften Frohsinn zuständig, der gegen
die üblichen Bedrängnisse realitätsferner Lustspiele mit
unerschütterlichem Optimismus ansang. Titel wie "Ein Herz voll Musik"
(1955), "Santa Lucia" (1956) und "Der Fremdenführer von Lissabon"
(1957) umreißen die wiederkehrende Mischung aus schmalzigem Liebesweh,
sanfter Komik, südlichen Schauplätzen und viel Musik. Zu "Siebenmal
in der Woche" (1957), in dem er einen Tenor spielt, merkte der "film-dienst"
seinerzeit an, der Film sei "gegenstandslos für jede weitere Bemerkung".
Mitunter war indes sogar wirkliche Komik auszumachen, etwa in "Der Stern
von Santa Clara" (1958), einer Parodie auf grimmige Vendetta-Geschichten,
in der Torriani einen vermeintlichen Meisterschützen spielt. Dagegen
ist "Robert und Bertram" (1961) eine ärgerlich schlicht geratene Posse,
in der Torriani neben Willy Millowitsch agiert. Wer jedoch im bundesdeutschen
Schlagerfilm die Bedienung eines verirrten Publikumsgeschmacks oder bestenfalls
ein nostalgisches Kuriosum sieht, verkennt die soziologische Komponente
der Gattung. Um 1960 machte der Schlagerfilm etwa ein Viertel der gesamten
hiesigen Produktion aus. In den 60er Jahren wurde das Fernsehen auf Torriani
aufmerksam und vertraute ihm eine Reihe von Schlager-Revuen an, in der
er auch seine Erfahrungen als Koch einbringen konnte. Zur Ehrenrettung
Torrianis muß auch erwähnt werden, dass er neben schnulzigen
Schlagern auch kesse Chansons und in ihrer Schlichtheit anrührende
Volkslieder aus dem rätoromanischen Sprachraum singen konnte.
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| Gitarren
der Liebe E.P.
A) Cuculino B) Tausend Mandolinen C) Ein Vis-a-vis wie Sie D) Liebeswalzer Decca Füllschrift DX 1752 (1954) |
A)
Grazie
B) Waikiki (Lips of wine) Decca D 18 634 (1957) |
A)
Schön und kaffeebraun
B) Ta-Pum - Ta-Pum (Ein verliebter Tamburino) Decca D 18 803 (1958) |
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| A)
Avanti-Avanti-Avanti
B) Antonella Decca D 18 831 (1958) |
A)
Kalkutta liegt am Ganges (Madeleine)
B) ... sie war nicht älter als 18 Jahr' Decca D 19 075 (1960) |
A)
Café Oriental
B) Eiffelturm Melodie Decca D 19 133 (1961) |
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| A)
Bon soir, Herr Kommissar
(Unterwelt Tango) B) Mister Decca D 19 156 (1961) |
A)
Lebewohl, kleine Frau
B) Über die Prärie Decca D 19 235 (1961) |
A)
Hafen-Casanova
B) Appenzeller Cha-Cha Decca D 19 275 (1962) |
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| A)
Ching-ching-ching (Happy José)
B) Signorina Cappucina (Permetete Signora) Decca D 19 332 (1962) |
A)
Renata
B) Chi-Chica-Chi Decca D 19 375 (1962) |
A)
Laß uns mal ein Tänzchen wagen
B) Das hat mir keiner von dir gesagt Decca D 19 439 (1963) |
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| A)
Die Großen haben große Sorgen
B) ...denn er war nur ein Troubadour Decca D 19 467 (1963) |
A)
Ski - Twist
B) Alles fährt Ski Decca D 19 512 (1963) |
A)
Daran sind nur die Männer Schuld
B) Glück in der Liebe Decca D 19 537 (1963) |
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| A)
Aus jedem Land ein Souvenir
(oh Josefine) B) Von New York nach Las Vegas Decca D 19 608 (1964) |
A)
Auf der Hütt'n
(Hey, Hey, Hey) B) Zwei Spuren im Schnee Decca D 19 630 (1964) |
A)
Du lächelst wie ein Engel
(aus der Fernseh-Show "Hotel Victoria") B) ..und dann nimmt der Papa seinen Hut (aus dem Constantin-Film "Bitte nicht stören") Philips 345 889 PF (1966) |
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| A)
So schön, so leicht kann unser Leben sein
(Sonderauflage für Union Elektra) B) Ente mit süßen Orangen Philips 1105 WF (1966) |
A)
Es ist nicht alles Gold was glänzt
B) Die süßen Tränen der schönen Frauen Philips 346 003 PF (1966) |
A)
Arrivederci, au revoir, Bye Bye
B) Pariser Nächte Philips 346 051 PF (1967) |
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| A)
Azzuro
B) Julia Philips 384 576 PF (1968) |
A)
La Pastorella
B) Berge Philips 346 051 PF (1977) |
Biedermann und
Cool Man
BEAR FAMILY
RECORDS BCD 16 111 30,00 DM
Hier
jetzt mal ein Beispiel dafür, wie außerordentlich liebevoll und umfangreich
die Firma BEAR FAMILY RECORDS die Booklets von ihren CDs gestaltet. Von
vielen interessanten Bildern und Plattencovern und einer Discografie begleitet,
fand sich dort dieser interessante Artikel über Vico Torriani:
Vico
Torriani gehört zu den Ikonen des Schaugeschäfts. Seit 45 Jahren
verteidigt er zäh seinen Platz im Spitzenfeld der Unterhaltungsbranche.
Es ist diese Beständigkeit des Erfolgs, die seine Karriere auszeichnet
und ihm eine herausragende Stellung in der Geschichte der Unterhaltungsmusik
einräumt. Eine vergleichbare Konstanz weisen nur Peter Alexander und
im internationalen Vergleich ein Frank Sinatra oder ein Harry Belafonte
auf.
Aus diesem Vergleich kann man abschätzen, wie hoch die Bedeutung von Vico Torriani einzustufen ist. Er gehört in die Kategorie "Superstar" Medien und Öffentlichkeit haben diesen Status von Vico Torriani kaum je richtig wahrgenommen. Sie haben ihn permanent unterschätzt. Und es gibt auch Erklärungen für diese Fehleinschätzung. Zeit seiner Karriere hat Vico Torriani eine polarisierende Wirkung auf die Massen ausgeübt. Er galt bereits in den erfolgreichsten Phasen seiner Laufbahn als "Schnulzensänger".
Dieses Etikett lässt sich auf drei Hauptursachen zurückführen. Erstens war Vico Torriani einer der wenigen Sänger, die ihren Erfolg aus der Schellack-Zeit in die Zeit der 45er Schallplatten hatten hinüberretten können. Die Einführung der unzerbrechlichen Schallplatte Anfang der 50er Jahre bedeutete eine ähnliche technische Revolution wie später in den 90er Jahren der Durchbruch der CD. Im Gegensatz zur älteren Generation interessierte sich die Jugend zuerst für die kleinen Scheiben. Sie verfügte auch über genügend Geld, um sich die neuen Plattenspieler leisten zu können. Die jugendlichen Konsumenten hatten einen anderen Musikgeschmack als ihre Eltern, und die Plattenindustrie entdeckte rasch deren Kaufkraft und lancierte eine Reihe junger Künstlerinnen und Künstler, die die etablierten Stars der Schellack-Zeit ablöste. Zu ihnen zählten Caterina Valente, Freddy Quinn, Peter Kraus, Conny Froboess und Ted Herold. Sie wurden die ersten Teenager-Idole in Deutschland. Vico Torriani gehörte nicht dazu. Er verkörperte die Zeit des betulichen tenorhaften Gesangs, den die Eltern liebten. Zweitens wirkten sein penetrantes Saubermann-Image und der Schmalz in der Stimme in der Ära des Rock 'n' Rolls leicht altväterlich. Drittens schließlich war Vico Torriani bereits 37 Jahre alt, als der Titel "Siebenmal in der Woche" Platz eins in der Hitparade erreichte.
Das
konservative, ländliche Publikum liebte Vico Torriani, die Jugend
lehnte ihn ebenso kategorisch ab.
Er
war in allen Phasen der Karriere ein Künstler für die Erwachsenenwelt.
Und hier wiederum zollten ihm die Frauen wegen seines südländischen
Charmes am meisten Beifall. Vico Torriani war auch in seiner erfolgreichsten
Phase als Schallplattenstar nie "in" bei den Teenagern. "Bravo" widmete
ihm deshalb wenig Aufmerksamkeit und bei den Otto-Wahlen gewann er nie
eine Auszeichnung.
Ein Interpret, der bei der trend-setzenden Jugend im Abseits steht, wird früher oder später aus dem Geschäft gedrängt. Warum hat Vico Torriani trotzdem überlebt? Weil er zwar nie selbst den Trend gesetzt hat, ihn aber instinktartig erspürt und mit ihm "mitgeschwommen" ist. Dies war ihm dank einer enormen Vielseitigkeit, seines Fleißes und seines Charmes möglich.
Torriani kam am 21. September 1920 zur Welt. Er wuchs im Schweizer Wintersport-Ort St. Moritz in einer sportlich-musikalischen Familie auf. Bereits als Kind trat er gemeinsam mit seinem Vater auf. Seine künstlerische Solo-Laufbahn begann er 1946 als Interpret von Volksliedern. Seine ersten Schallplatten sang er in der Schweiz im Jahre 1947 ein. Der erste Hit war die Schnulze "Silberfäden", und stammt aus dem Jahre 1949. 1951 gelang Vico Torriani mit "Addio, Donna Grazia" der Einstieg in den deutschen Markt. Schmachtende Geigen, die schmalzige Stimme und südländischer Charme prägten in der Folge sein Image. Er hatte Erfolg damit. Ab 1952 stand er in zahlreichen Filmen als Hauptdarsteller vor der Kamera. Die Filme mit "Reiseprospekt-Charakter" (1954 "Gitarren der Liebe", 1956 "Santa Lucia", 1957 "Der Fremdenführer von Lissabon") festigten sein Image als "Südländer vom Dienst". Dennoch wagte er 1957 ein Experiment und nahm "Siebenmal in der Woche" statt mit den betulichen Orchestern von Bela Sanders, Hans Carste oder ähnlichen, mit dem avantgardistischen Orchester von Claus Ogermann auf. Ogermann entstaubte die Arrangements und setzte eine rockig-swingende Gitarre anstelle der drögen Geigen als Solo-Instrument ein. Das Unerwartete geschah: Das Publikum akzeptierte die musikalische Richtungsänderung seines Stars.
Der
geschickte Wechsel im Arrangement und die vorsichtige Abnabelung vom bisher
dominierenden Italien-Thema führten Vico Torriani auf den Höhepunkt
seiner Karriere als Schallplattenkünstler, der von 1957 bis 1964 dauerte.
Insgesamt 27 Titel sang er in dieser Phase in die deutsche Hitparade. Hits
wie "Ananas aus Caracas" (1957), "Schön und kaffeebraun" (1958) oder
"Kalkutta liegt am Ganges" (1960), das bis auf Platz eins vorstieß, stehen
für diese Zeit.
Die Aufnahmen auf dieser CD stammen aus jener Zeit. Sie dokumentieren weniger die Hitparadenerfolge als das internationale Repertoire des Künstlers. Vico Torriani pflegte bewusst sein Image als polyglotter Künstler. So wie er auf der Bühne und im Fernsehen immer wieder internationale - vorwiegend italienisch gesungene - Titel einstreute, so nahm er regelmäßig Platten auf italienisch, französisch, spanisch oder gar hebräisch auf. Seine spanische Version von "Ave maria no morro" fand sogar den Weg in die deutsche Hitparade. Auf dieser CD sind italienische Versionen von "Hello Mary Lou", "Peppino" und "Kalcutta" enthalten, mit denen Torriani versuchte, auf dem italienischen Markt Fuß zu fassen.
1964 ging Torrianis Aera als Schlagerstar zu Ende. Wie soviele andere Interpreten schwemmte ihn die Beatwelle aus den Hitparaden. Die Gunst des Publikums blieb ihm erhalten. Wieder ahnte er den Trend und setzte auf das neue Medium Fernsehen. Als Gastgeber der Sendungen "Hotel Victoria" und "Grüezi Vico" etablierte er sich neben Peter Frankenfeld oder Hans Joachim Kulenkampff als eine der grossen Fernsehpersönlichkeiten in Deutschland. Diese Popularität kam ihm bei seinen Bühnen-Engagements zustatten. Die Aufführung von "Meine Schwester und ich" oder "Das weisse Rössl" waren hervorragend besucht. Den eigentlichen Höhepunkt der TV-Popularität erreichte Vico Torriani, als er die Präsentation der Sendung "Der goldene Schuss" übernehmen durfte. Die Sendung erzielte Traum-Einschaltquoten von 80 %.
In den 70er Jahren hatte Vico einmal mehr den richtigen Riecher: Er wechselte einmal mehr das Fach und wandte sich der Volksmusik zu. 1976 feierte er mit "La Pastorella" ein glanzvolles Comeback im Plattengeschäft. Die Nummer entwickelte sich zu einem Hit der volkstümlichen Szene. Vico erhielt dafür gar eine Goldene Schallplatte.
Vico
Torriani hat im Laufe seiner bald 50jährigen Plattenkarriere rund
12 Millionen Platten verkauft. Zahlreiche Auszeichnungen wie die Hermann-Löns-Medaille,
der Stier von Salzburg oder das Bambi sind ihm zuteil geworden. Solche
Erfolge sind nur einem Künstler mit Charisma, einem Sänger mit
herausragender Persönlichkeit vergönnt. Neben dem südländischen
Charme und der professionellen Vielseitigkeit war und ist die Internationalität
des Auftretens ein typisches "Markenzeichen" von Vico Torriani. Er spricht
sechs Sprachen und singt in zwölf Sprachen. Dieses Image als Mann
von Welt, als Connaisseur hat er stets liebevoll gepflegt. Immer wieder
fand er eine Gelegenheit, um seine Sprachkenntnisse oder sein Wissen über
die "haute cuisine" zu demonstrieren. Von letzterem zeugen drei Kochbücher,
die er veröffentlicht hat sowie zahlreiche einschlägige Sendungen
im Fernsehen.
Das
Image des Vico Torriani sollte Weltgewandtheit und Internationalität
vermitteln. Hinter dieser Fassade konnte er nur schlecht eine brave Biederkeit
verstecken. Dem Publikum entging nicht, dass sein Erfolg auf harter Arbeit
basierte, und Fleiß und Ausdauer seine hervorragenden Charaktereigenschaften
bilden. Gerade diese Spannung zwischen Image und Realität mag zur
besonderen Aura und damit zum anhaltenden Erfolg des Vico Torriani beigetragen
haben. Da sang ein Künstler, der so war wie die schweigende Mehrheit:
arbeitsam und anständig - und konnte gleichzeitig vorgehen, so lässig
und cool zu sein wie ein Vertreter des Jet-Set. Die schweigende Mehrheit
hat Vico Torriani zum Star gemacht. Es ist das Schicksal solcher Künstler,
die vom einfachen Volk zu Stars gemacht werden, dass sie von den Gruppierungen
der Gesellschaft, die sich als Trendsetter und geistige Elite verstehen,
mit Häme überzogen oder ignoriert werden, weil sie auf die Lancierung
solcher Karrieren keinen Einfluss nehmen können. Und hier äußert
sich ein interessantes Paradoxon von Vico Torrianis Laufbahn. Die Karriere
des kleinbürgerlichen angepassten Sängers hat oppositionellen
Charakter, weil sie gegen die veröffentlichte Meinung und gegen den
Willen der geistigen Elite stattgefunden hat. Die Rolle als Widerpart zum
herrschenden Zeitgeist wertet diese Ikone des deutschen Schlagers auf zu
einer zeitgeschichtlich wichtigen Persönlichkeit.